Baumann weist Kritik zurück: “Wir hätten Woltemade nicht halten können”
Bremen – Als Nick Woltemade im Sommer 2024 ablösefrei von Werder Bremen zu VfB Stuttgart wechselte, regte sich unter Fans und Experten Unmut. Doch was damals bereits als sportlicher Verlust galt, wirkt heute wie ein strategisches Desaster: Nur ein Jahr später verkaufte Stuttgart den mittlerweile 23-jährigen Stürmer für unglaubliche 90 Millionen Euro an Newcastle United.
Dass Werder Bremen keinerlei Anteil an dieser Transfersumme hat, lässt viele in Bremen fassungslos zurück. Klublegende Thomas Schaaf nannte den Vorgang „schmerzhaft, aber ein Spiegelbild der heutigen Fußballwelt“.
Im Mittelpunkt der Kritik steht Sport-Geschäftsführer Frank Baumann, der jedoch entschieden zurückweist, man habe versäumt, rechtzeitig mit dem Spieler zu verlängern.
„Wir haben Nick im Frühjahr 2023 ein sehr wettbewerbsfähiges Vertragsangebot gemacht“, erklärt Baumann in einem Interview mit dem Weser-Kurier. „Doch schon damals war klar, dass mehrere Bundesligisten – darunter auch Stuttgart – ihm nicht nur sportlich, sondern auch finanziell deutlich mehr bieten konnten. Er wollte den nächsten Schritt gehen, das war sein gutes Recht.“
Woltemade, der in der Rückrunde 2023/24 bei Stuttgart mit 13 Toren und 9 Assists glänzte, war maßgeblich am sensationellen dritten Platz der Schwaben beteiligt. Sein Transfer auf die Insel war nur eine Frage der Zeit. Scouts von Arsenal, Manchester United und eben Newcastle saßen monatelang regelmäßig im Stadion.
Dass Baumann nun in der Kritik steht, sieht er mit gemischten Gefühlen. „Es ist leicht, im Nachhinein mit dem Finger zu zeigen. Natürlich tut es weh, wenn ein Spieler aus der eigenen Jugend später so durchstartet – und man nichts davon hat. Aber wir haben mit ihm offen kommuniziert. Er wollte bei einem Verein spielen, der europäisch vertreten ist – das konnten wir ihm nicht bieten.“
Intern soll es jedoch auch andere Stimmen geben. Laut Bild soll es im Frühjahr 2023 Uneinigkeit zwischen Trainer Ole Werner und Baumann gegeben haben. Werner habe Woltemade unbedingt halten wollen, Baumann dagegen auf einen langfristigen Aufbau anderer Talente wie Justin Njinmah und Eren Dinkçi gesetzt.
Heute, ein Jahr später, steht Werder nach einer durchwachsenen Saison erneut vor einem Umbruch. Baumann bleibt dennoch gelassen: „Wir haben viele junge Spieler, die ihren Weg gehen werden. Der Weg ist langfristig angelegt – solche Verluste gehören leider dazu.“
Für viele Fans klingt das wie eine Ausrede. „Man kann nicht jeden Spieler halten – aber man kann auch nicht jeden ablösefrei verlieren“, kommentierte ein enttäuschter Anhänger in einem Fanforum.
Ob Werder künftig aus dem Fall Woltemade lernen wird, bleibt abzuwarten. Die Bundesliga ist ein Haifischbecken – und Bremen schwimmt derzeit eher am Rand.