Emre Can: Geduldsspiel um die Rückkehr – Verzögerte Genesung sorgt für Sorgen in Dortmund
Die Erwartungshaltung im Ruhrgebiet war groß. Wochenlang hatten Fans, Medien und Mitspieler über den Tag spekuliert, an dem Emre Can endlich wieder das schwarz-gelbe Trikot überstreifen würde. Doch nun wurde klar: Die Rückkehr des Kapitäns verzögert sich. Seine Verletzung, die zunächst als überschaubar galt, entwickelt sich zu einem komplexeren Problem, als viele dachten.
Im Sommer bereitete sich Borussia Dortmund mit neuen Ambitionen auf die Saison 2025/26 vor. Emre Can, als Kapitän eine zentrale Figur in der Kabine, sollte dabei eine Schlüsselfunktion einnehmen: Führung, Stabilität im Mittelfeld und Erfahrung auf höchstem Niveau. Doch ein Muskelriss im Oberschenkel, zugezogen in einem Testspiel, warf alle Pläne über den Haufen. Anfangs hieß es, Can werde nach wenigen Wochen zurück sein. Doch nun sprechen die Ärzte von einem Heilungsverlauf, der sich „zäher als erwartet“ gestaltet.
Hinter den Kulissen beschreibt man die Situation als „Balanceakt zwischen Vorsicht und Notwendigkeit“. Der Druck ist spürbar: Dortmund braucht den Anführer auf dem Platz. Trainer Nuri Şahin, selbst ein ehemaliger Mittelfeldstratege, betont bei jeder Gelegenheit, wie wichtig es sei, Can nicht zu früh zu bringen. „Wir dürfen nicht riskieren, dass er einen Rückschlag erleidet. Emre ist für uns mehr als nur ein Spieler – er ist ein Taktgeber, ein Sprachrohr, ein Symbol.“
Währenddessen füllen andere die Lücke: Salih Özcan, Felix Nmecha oder auch die jungen Talente drängen sich auf. Doch keiner kann die Präsenz Cans vollständig ersetzen. Seine Ruhe in hektischen Phasen, seine kompromisslose Zweikampfstärke und sein Wille, Verantwortung zu übernehmen, fehlen spürbar. Gerade in den hitzigen Duellen der Bundesliga, wo Kleinigkeiten über Sieg oder Niederlage entscheiden, macht sich sein Ausfall bemerkbar.
Die Fans reagieren mit einer Mischung aus Sorge und Geduld. In den sozialen Medien kursieren Fotos von Can beim individuellen Training. Mal stemmt er Gewichte, mal läuft er vorsichtig Runden um den Platz. Jedes Bild wird genau analysiert: Läuft er rund? Wie stark belastet er das Bein? Für viele ist er mehr als nur der Kapitän – er ist ein Anker in einer Mannschaft, die zwischen Aufbruch und Unsicherheit schwankt.
Doch auch für Can selbst ist die Situation ein psychologischer Kraftakt. Der gebürtige Frankfurter ist es gewohnt, Schmerzen wegzustecken, für seine Mannschaft zu kämpfen. Jetzt aber muss er lernen, die Geduld aufzubringen, auf seinen Körper zu hören. „Es ist schwer, zuzuschauen“, soll er gegenüber engen Vertrauten gesagt haben. „Aber ich will zurückkommen, wenn ich wirklich bei 100 Prozent bin.“
Der Kalender zeigt gnadenlos die anstehenden Aufgaben: Bundesliga-Spitzenspiele, Pokalduelle, Champions-League-Abende. Ob Can rechtzeitig in die entscheidende Phase der Hinrunde eingreifen kann, bleibt offen. Klar ist nur: Seine Rückkehr wird nicht weniger als eine kleine Erlösung für den BVB bedeuten.
Und so bleibt das Kapitel Emre Can vorerst ein Geduldsspiel – für ihn selbst, für den Verein und für die Fans. Dortmund wartet, hofft und weiß: Wenn der Kapitän endlich zurückkehrt, dann mit voller Wucht.