Gladbach taumelt weiter – Bremen feiert Kantersieg im Borussia-Park
Mönchengladbach – Die Krise bei Borussia Mönchengladbach spitzt sich weiter zu. Am dritten Spieltag der Bundesliga setzte es vor heimischem Publikum eine krachende 0:4-Niederlage gegen ein entfesseltes Werder Bremen. Die Gäste aus dem Norden dominierten das Spiel über weite Strecken und ließen dem verunsicherten Team von Trainer Gerardo Seoane nicht den Hauch einer Chance.
Schon nach fünf Minuten schwante den Fans im Borussia-Park nichts Gutes: Bremens Mittelstürmer Marvin Ducksch nutzte einen Abwehrfehler von Ko Itakura eiskalt aus und schob zur frühen Führung ein. Der Treffer war sinnbildlich für das Gladbacher Auftreten in der Anfangsphase – unsortiert, zaghaft, ohne Zugriff.
„Das war ein kollektives Versagen in den ersten 30 Minuten“, räumte Seoane nach dem Spiel zerknirscht ein. „So kann man in der Bundesliga nicht auftreten, schon gar nicht zu Hause.“
Bremen dagegen spielte sich in einen Rausch. Besonders Ex-Gladbacher Mitchell Weiser zeigte gegen seinen ehemaligen Klub eine starke Leistung. In der 23. Minute bereitete er das 0:2 mustergültig vor, als er mit einem Tempolauf die rechte Seite aufriss und in den Rückraum auf Romano Schmid ablegte, der humorlos ins rechte Eck traf.
Von den Gastgebern kam offensiv erschreckend wenig. Florian Neuhaus und Alassane Pléa bemühten sich, doch die Automatismen fehlten, das Passspiel blieb fehlerhaft. Ein Distanzschuss von Franck Honorat (36.) war die einzige nennenswerte Gelegenheit in der ersten Hälfte.
Nach dem Seitenwechsel blieb Bremen am Drücker. In der 54. Minute sorgte ein direkter Freistoß von Leonardo Bittencourt aus 22 Metern für das 0:3 – Gladbachs Mauer sprang halbherzig, Keeper Nicolas war chancenlos.
Die Fans im Borussia-Park reagierten mit Pfiffen, einige verließen noch vor der 70. Minute das Stadion. Den Schlusspunkt setzte schließlich der eingewechselte Justin Njinmah in der 81. Minute, der nach einem Ballverlust von Kramer allein auf Nicolas zulief und cool einschob.
„Es war ein Statement-Sieg“, sagte Bremens Trainer Ole Werner nach Abpfiff. „Wir wussten, dass Gladbach aktuell verunsichert ist – und haben das gnadenlos ausgenutzt. Aber das war heute auch einfach eine sehr reife Leistung meiner Mannschaft.“
Bei den Fohlen hingegen herrscht Ratlosigkeit. Drei Spiele, ein Punkt, zehn Gegentore – der schlechteste Saisonstart seit über zehn Jahren. Die Defensive wackelt, im Mittelfeld fehlt die Struktur, und offensiv bleibt man harmlos.
„Wir müssen uns alle hinterfragen – Spieler, Trainer, Staff“, forderte Seoane. „So dürfen wir nicht weitermachen.“
Ob der Trainer bereits angezählt ist, wollte Sportdirektor Roland Virkus nicht kommentieren: „Wir analysieren das intern. Klar ist: So ein Auftritt darf uns nicht passieren.“
Für Gladbach geht es in der kommenden Woche gegen den VfL Wolfsburg weiter – ein Spiel, das bereits jetzt richtungsweisend sein dürfte. Bremen hingegen kann nach dem ersten Saisonsieg mit neuem Selbstbewusstsein in die Zukunft blicken.