Emre Can: Rückkehr auf unbestimmte Zeit verschoben – Sorgen um BVB-Kapitän wachsen
Die Gesichter auf dem Trainingsgelände von Borussia Dortmund sprechen Bände. Während das Team unter der strahlenden Septembersonne schwitzt, bleibt ein Platz leer – jener von Emre Can. Der Kapitän, der normalerweise als emotionaler Anführer und zweikampfstarker Fixpunkt im Mittelfeld agiert, fehlt weiterhin. Und wie es scheint, wird sich an diesem Zustand so bald nichts ändern.
Ursprünglich hatte man beim BVB gehofft, dass Can Anfang September zumindest ins Mannschaftstraining zurückkehren könnte. Doch wie nun durch interne Quellen durchsickerte, gestaltet sich die Reha des 31-Jährigen schwieriger als erwartet. Die hartnäckige Muskelverletzung im Adduktorenbereich, die er sich bereits in der frühen Vorbereitungsphase zugezogen hatte, heilt langsamer als prognostiziert.
Cheftrainer Nuri Şahin, der sich bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen RB Leipzig äußerte, wirkte sichtlich betroffen: „Emre arbeitet hart, ist täglich in der Reha, aber wir müssen ehrlich sein – sein Körper braucht mehr Zeit. Es wäre fahrlässig, ihn zu früh zurückzudrängen.“ Eine Rückkehr in den Kader sei laut Şahin „nicht absehbar“.
Das bedeutet für den BVB nicht nur den Verlust eines erfahrenen Spielers, sondern auch einen spürbaren Einschnitt in die Mannschaftsdynamik. Emre Can war in der vergangenen Saison nicht nur Kapitän, sondern auch einer der konstantesten Leistungsträger. In vielen engen Spielen war es seine Präsenz, sein Einsatz, der den Unterschied machte – auf dem Platz und in der Kabine.
„Natürlich fehlt er uns“, sagte Innenverteidiger Mats Hummels im Interview mit Sport1. „Emre ist einer, der die Mannschaft emotional mitreißen kann, gerade wenn es mal nicht läuft. Seine Stimme, seine Präsenz – das ist im Moment schwer zu ersetzen.“
Intern wird darüber diskutiert, ob man im Winter auf dem Transfermarkt aktiv werden müsse, sollte sich Cans Zustand weiter hinziehen. Ein kurzfristiger Ersatz sei laut Sportdirektor Sebastian Kehl zwar derzeit „nicht geplant“, man beobachte die Entwicklung aber „mit der nötigen Ernsthaftigkeit“.
Emre selbst äußerte sich zuletzt zurückhaltend. In einem kurzen Instagram-Post bedankte er sich für die Genesungswünsche und schrieb: „Ich arbeite jeden Tag daran, stärker zurückzukommen. Aber manchmal braucht der Körper seine eigene Zeit.“ Ein Satz, der nicht nur auf die aktuelle Situation, sondern auch auf seine gesamte Karriere zutrifft – geprägt von Höhen, Tiefen und unerschütterlichem Kampfgeist.
Fakt ist: Ohne Can fehlt dem BVB ein Stück seines Rückgrats. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie sehr das junge Team unter Şahin ohne die Erfahrung und Stabilität des Kapitäns zurechtkommt. Klar ist aber auch: Sobald Emre Can zurückkehrt, wird er alles geben – wie immer.