Baumann kontert Kritik: „Woltemade war nicht zu halten“ – Werder-Boss verteidigt ablösefreien Verlust
Ein Jahr nach dem ablösefreien Abgang von Nick Woltemade zu VfB Stuttgart und dessen spektakulärem Transfer zu Newcastle United für sagenhafte 90 Millionen Euro sieht sich Werder Bremens Sport-Geschäftsführer Frank Baumann harter Kritik ausgesetzt. Doch der 49-Jährige wehrt sich entschieden: „Wir hätten es nicht verhindern können – und wir haben alles versucht.“
Die Geschichte liest sich wie ein Albtraum für Werder-Fans: Eigengewächs Nick Woltemade, einst als vielversprechender Jugendspieler mit Bundesliga-Erfahrung gefeiert, verließ Bremen im Sommer 2024 ohne Ablöse in Richtung Stuttgart – nach monatelangen, aber offenbar ergebnislosen Vertragsgesprächen. Nur ein Jahr später entwickelt er sich beim VfB zum Shootingstar der Bundesliga, erzielt 17 Tore, bereitet 10 weitere vor, wird Nationalspieler – und schließlich für eine Rekordsumme von 90 Millionen Euro an Newcastle United verkauft.
In Bremen fragen sich viele: Wie konnte man einen solchen Rohdiamanten so leicht ziehen lassen?
„Natürlich sieht das im Rückblick bitter aus“, gibt Baumann zu. „Aber wir reden hier von einem Spieler, der zu dem Zeitpunkt unbedingt Spielpraxis auf hohem Niveau wollte – etwas, das wir ihm in dieser Form nicht garantieren konnten.“ Laut Baumann habe Woltemade schon im Winter 2023/24 klargemacht, dass er sich sportlich neu orientieren wolle. „Wir haben ihm ein marktgerechtes Angebot gemacht, das seine Rolle im Team widerspiegelt. Er hat sich trotzdem für einen neuen Weg entschieden – das müssen wir akzeptieren.“
Insbesondere aus dem Bremer Aufsichtsrat und von Teilen der Fanszene kommt harsche Kritik: Baumann habe zu spät auf die Vertragslage reagiert, Woltemade nicht langfristig gebunden und Werder damit wichtige Transfererlöse entgehen lassen. Doch der Sportchef widerspricht: „Man kann einen Spieler nicht zwingen zu unterschreiben. Es war kein Versäumnis – sondern eine bewusste Entscheidung von Nick, die wir respektieren mussten.“
Dass Stuttgart innerhalb eines Jahres den Marktwert des Angreifers nahezu explodieren ließ, sieht Baumann mit gemischten Gefühlen: „Natürlich gratulieren wir dem VfB – sie haben alles richtig gemacht. Aber es war auch das perfekte Timing: Ein junges, offensivfreudiges Team, ein Trainer, der voll auf ihn setzte, und ein Spieler, der gesund blieb und sein Potenzial ausschöpfen konnte.“
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass man in Bremen in Sachen Vertragsmanagement künftig noch vorausschauender handeln muss. Gleichzeitig fordert Baumann aber auch mehr Realismus im Umgang mit solchen Personalien: „Manche Entwicklungen sind schlichtweg nicht vorhersehbar – und Fußball bleibt ein Spiel mit vielen Unbekannten.“
Die Geschichte von Nick Woltemade wird in Bremen noch lange nachhallen – als Mahnung, aber auch als Beispiel dafür, wie schnell sich Karrieren im modernen Fußball drehen können.