Bayern München steht erneut vor einer entscheidenden Weiche in der Personalpolitik: Der 19-jährige Paul Wanner, großes Offensiv‑Talent aus der Bayern‑Jugend, soll laut kicker von Borussia Mönchengladbach ausgeliehen werden – doch der Rekordmeister winkt ab. Keine Leihe, zumindest nicht unter den derzeitigen Bedingungen. Gladbachs Angebot wurde offiziell abgelehnt.
Die Gründe sind nachvollziehbar: Bayern sieht in Wanner derzeit eine wichtige Option, insbesondere angesichts der Verletzung von Jamal Musiala, die eine Lücke im offensiven Mittelfeld reißt. Bis ein geeigneter Ersatz gefunden ist, wollen die Bayern nicht auf Wanner verzichten.
Doch die Situation ist komplex. Wanner selbst zeigt sich laut Berichten unzufrieden mit der Aussicht auf wenig Spielzeit, wenn er bleibt. Er strebt regelmäßigere Einsätze an, eine Entwicklung, die im Umfeld des Vereins und bei anderen potenziellen Leihvereinen auf großes Interesse stößt. PSV Eindhoven und Werder Bremen gelten als weitere Kandidaten mit Interesse an Wanner.
Sportdirektor Max Eberl befindet sich damit zwischen den Stühlen: Einerseits will Bayern junge Spieler aus der Akademie fördern, wie es Klubpräsident Herbert Heiner ebenfalls mehrfach gefordert hat. Andererseits wäre es riskant, das Talent jetzt zu verleihen und später feststellen zu müssen, dass man dringend Spielkraft im Zentrum benötigt.
Gladbach, so heißt es, hat ein Leihgesuch vorgelegt. Aber es bleibt bislang bei einem Antrag. Eine endgültige Einigung stand noch aus. Finanzielle Mittel für einen dauerhaften Transfer scheinen Gladbach zu fehlen und Bayern zeigt sich nicht bereit, unter aktuellen Rahmenbedingungen einer Leihe zuzustimmen.
Im Klub kursieren zwei Szenarien: Szenario A – Wanner bleibt bei Bayern, bekommt wegen Musialas Ausfall mehr Gelegenheit, zu zeigen, was in ihm steckt. Training, einzelne Einsätze, Einwechslungen, gute Leistungen könnten seine Situation verbessern. Szenario B – sobald Bayern einen passenden Ersatz für Musiala gefunden hat (sei es über Transfer oder Hochziehen eines anderen Talents), würde man Wanner eine Leihe ermöglichen, damit er Spielpraxis sammelt. Ein Wechsel zu PSV mit Kaufoption wird als realistischer Plan gehandelt.
Für Wanner persönlich ist die Phase entscheidend: Wird er seinen nächsten Schritt machen – mit einem Leihverein, der ihm Einsatzgarantie bietet – oder schafft er möglichst schon bei Bayern den Durchbruch? Seine Entwicklung in der letzten Saison bei 1. FC Heidenheim, seine Leistungen und Assistzahlen haben gezeigt, dass Potential da ist. Aber das Niveau bei Bayern ist höher, der Konkurrenzdruck gewaltig.
Abgesehen vom sportlichen Aspekt spielt auch die mentale Komponente mit: Ein junger Spieler wie Wanner muss abwägen – Sicherheit und Training bei Bayern oder Sichtbarkeit und Spielzeit bei einem Verein wie Gladbach oder PSV. Bayern wiederum muss die Balance halten zwischen Nachwuchsförderung und dem Anspruch, in Pflichtspielen konkurrenzfähig zu sein.