Harry Kane steht wieder einmal im Zentrum hitziger Debatten. Nach dem jüngsten Bundesliga-Spieltag und seiner eher blassen Vorstellung gegen einen defensiv clever agierenden Gegner haben sich die Stimmen der Kritiker gemehrt. „Er ist nicht besser als Isak oder Haaland“, lautet das harte Urteil, das in englischen und deutschen Medien gleichermaßen Schlagzeilen macht. Diese Aussage trifft Kane mitten ins Herz seiner sportlichen Reputation – schließlich wurde er geholt, um den Unterschied in entscheidenden Spielen auszumachen.
Der Vergleich mit Erling Haaland ist verständlich. Der Norweger gilt als Inbegriff des modernen Mittelstürmers: schnell, kraftvoll, mit einer unstillbaren Gier nach Toren. Haaland spielt Fußball wie ein Raubtier, das jede Schwäche in der Abwehr sofort ausnutzt. Alexander Isak hingegen verkörpert eine andere, elegantere Art des Sturmspiels. Mit technischer Finesse, geschmeidigen Bewegungen und der Fähigkeit, Räume zu öffnen, hat sich der Schwede bei Newcastle zu einem der aufregendsten Angreifer Europas entwickelt.
Und Kane? Er ist traditionell eher der Stratege im Sturmzentrum – ein Stürmer, der nicht nur Tore schießt, sondern auch das Spiel lenkt, Mitspieler einsetzt und sich tief fallen lässt. Doch gerade diese Qualitäten, die ihn lange Zeit ausgezeichnet haben, scheinen in den letzten Monaten zunehmend in Frage gestellt zu werden. In der Bundesliga, wo Tempo und Intensität über Sieg und Niederlage entscheiden, wirkt Kane manchmal schwerfällig. Sein Instinkt bleibt unbestritten, aber die Wucht, die ein Haaland mitbringt, oder die Leichtfüßigkeit eines Isak fehlen.
Die frische Kritik entzündet sich nicht nur an der Zahl seiner Tore, sondern auch an seinem Auftreten in großen Spielen. Während Haaland regelmäßig in Champions-League-Nächten zur ultimativen Waffe wird, bleibt Kane zu oft blass, wenn es wirklich darauf ankommt. Fans und Experten fragen sich: Hat der englische Kapitän den Zenit seiner Karriere bereits überschritten? Oder braucht er schlicht noch mehr Zeit, um sich an die taktischen Anforderungen der Bundesliga und die Erwartungshaltung in München zu gewöhnen?
Besonders pikant: In England beginnt man ebenfalls, Kane kritischer zu betrachten. Nach Jahren, in denen er als unumstrittener Mittelstürmer der Nationalmannschaft galt, gibt es nun Stimmen, die Isak oder andere junge Angreifer als ernsthafte Konkurrenz ins Spiel bringen. Der Satz „Er ist nicht besser als Isak oder Haaland“ ist dabei mehr als eine flüchtige Schlagzeile – er symbolisiert die wachsende Skepsis gegenüber einem Spieler, der einst als bester Stürmer seiner Generation gehandelt wurde.
Doch wie so oft im Fußball sind Urteile schnell gefällt und genauso schnell revidiert. Ein Hattrick im nächsten Topspiel, ein entscheidendes Tor im Champions-League-Viertelfinale – und die Diskussion könnte eine ganz andere Wendung nehmen. Kane bleibt eine Figur, die polarisiert: von manchen glorifiziert, von anderen scharf kritisiert. Ob er den Nachweis erbringt, dass er tatsächlich in einer Liga mit Haaland oder Isak genannt werden darf, wird sich nicht in Interviews oder Schlagzeilen entscheiden, sondern einzig auf dem Platz.