Gladbach zerbricht im eigenen Stadion: Werder fegt Fohlen mit 4:0 vom Platz
Es war ein Abend, an dem Borussia Mönchengladbach nicht nur drei Punkte verlor, sondern auch einen Teil seines Selbstverständnisses. Am dritten Spieltag der Bundesliga-Saison setzte es vor heimischem Publikum im Borussia-Park eine vernichtende 0:4-Niederlage gegen ein entfesseltes Werder Bremen. Was als Möglichkeit zur Wiedergutmachung nach einem schwachen Saisonstart gedacht war, entwickelte sich zu einem Albtraum in Grün und Weiß.
Schon in den ersten Minuten deutete sich an, dass es ein schwerer Abend für die Fohlen werden würde. Werder agierte aggressiv, presste hoch und ließ Gladbach kaum Raum zur Entfaltung. In der 12. Minute war es der überragende Romano Schmid, der mit einem satten Schuss ins lange Eck die Bremer Führung erzielte. Gladbachs Defensive wirkte zu diesem Zeitpunkt bereits überfordert – unkoordiniert, nervös, teilweise lethargisch.
Trainer Gerardo Seoane stand regungslos an der Seitenlinie, während seine Mannschaft sich in der eigenen Hälfte einigelte. Doch es half nichts: In der 27. Minute erhöhte der eingewechselte Justin Njinmah nach einem kapitalen Fehler von Itakura auf 2:0. Die Fans im Borussia-Park begannen zu pfeifen – ein deutliches Zeichen der Frustration.
Nach der Pause versuchte Gladbach mit einer Systemumstellung auf eine Dreierkette zu reagieren, doch Werder nutzte die neuen Räume gnadenlos aus. Marvin Ducksch, der bis dahin eher unauffällig geblieben war, sorgte in der 54. Minute mit einem feinen Heber über Torwart Nicolas für das 3:0. Spätestens jetzt war der Wille der Fohlen gebrochen.
Als Jens Stage in der 79. Minute nach einem Konter sogar das 4:0 erzielte, verließen erste Zuschauer das Stadion. Die restlichen Fans verharrten schweigend auf ihren Sitzen – geschockt, enttäuscht, fassungslos.
Nach Abpfiff sprach Seoane von einem „kollektiven Versagen“, Kapitän Neuhaus entschuldigte sich bei den Fans und forderte eine „ehrliche Analyse“. Die Zahlen sprachen Bände: Gladbach hatte nur zwei Schüsse aufs Tor, eine Passquote unter 75 Prozent und verlor über 60 Prozent der Zweikämpfe. Werder hingegen präsentierte sich bissig, diszipliniert und spielfreudig – ein Team mit Plan.
Diese Niederlage wird Spuren hinterlassen. Nicht nur wegen der Höhe, sondern vor allem wegen der Art und Weise. Es war nicht nur ein verlorenes Spiel, es war eine Demontage. Ein Warnsignal, das im Borussia-Park hoffentlich gehört wird.
Während Bremen mit neuem Selbstbewusstsein in die kommenden Wochen gehen kann, steht Gladbach bereits früh in der Saison am Scheideweg. Die Frage lautet nun: Krise oder Charakter?