Lizarazu kritisiert Comans Al-Nassr-Wechsel: „Das ist keine Liga, in der man sich verbessern kann“
Der einstige Linksverteidiger des FC Bayern München und Champions-League-Sieger von 2001, Bixente Lizarazu, hat sich enttäuscht über den überraschenden Wechsel seines Landsmanns Kingsley Coman zum saudischen Klub Al-Nassr geäußert. In einem Interview mit dem französischen TV-Sender Téléfoot fand der 55-Jährige klare Worte – und stellte dabei die sportliche Motivation des Flügelspielers in Frage.
„Das ist keine Liga, in der man sich verbessern kann – ganz im Gegenteil“, sagte Lizarazu. „Ich hätte mir von einem Spieler wie Coman gewünscht, dass er in Europa bleibt, auf höchstem Niveau spielt, sich mit den Besten misst – nicht, dass er mit 29 den leichteren Weg wählt.“
Coman hatte Ende August überraschend seinen Transfer zu Al-Nassr verkündet. Der saudische Klub, bei dem auch Cristiano Ronaldo, Sadio Mané und Aymeric Laporte unter Vertrag stehen, soll dem Franzosen ein lukratives Angebot gemacht haben – kolportiert werden rund 40 Millionen Euro Ablöse an den FC Bayern sowie ein Jahresgehalt von knapp 25 Millionen Euro netto. Ein Angebot, dem der verletzungsanfällige Offensivspieler offenbar nicht widerstehen konnte.
Lizarazu jedoch sieht den Wechsel kritisch – nicht wegen des Geldes, sondern wegen der sportlichen Perspektive. „Kingsley war nie ein Spieler, der nur wegen des Geldes auffiel. Er hat mit Paris, Juventus und Bayern in Europas Topklubs gespielt, er hat Titel gewonnen, er hat das Tor im Champions-League-Finale 2020 geschossen. Warum dann jetzt dieser Schritt?“, fragte sich der Ex-Profi.
Besonders im Hinblick auf die französische Nationalmannschaft äußerte Lizarazu Bedenken: „Wenn du in einer Liga spielst, in der das Tempo niedrig ist, in der dir niemand auf die Füße tritt, dann wirst du nicht besser. Und die Konkurrenz bei Les Bleus ist riesig – Mbappé, Dembélé, Barcola, Nkunku, Diaby. Du musst liefern, Woche für Woche. Das geht in Saudi-Arabien einfach nicht.“
Coman selbst hatte seinen Wechsel in einem kurzen Statement erklärt: „Ich hatte fantastische Jahre beim FC Bayern, aber ich wollte eine neue Herausforderung. Al-Nassr hat mir ein ambitioniertes Projekt vorgestellt – und ja, auch die wirtschaftliche Komponente spielt im Fußball eine Rolle.“
In München reagierten viele Fans mit gemischten Gefühlen auf den Abgang. Während einige Verständnis zeigten für die Entscheidung des Flügelspielers, der in acht Jahren beim FC Bayern insgesamt 23 Titel gewann, fühlten sich andere enttäuscht. Der Verein selbst verabschiedete Coman mit warmen Worten, doch intern soll man vom Zeitpunkt des Wechsels überrascht gewesen sein – mitten in der laufenden Saisonvorbereitung.
Lizarazu beendete seine Kritik mit einem Appell: „Natürlich entscheidet jeder Spieler selbst über seine Karriere. Aber manchmal wünsche ich mir mehr sportlichen Ehrgeiz – vor allem von Spielern, die noch im besten Fußballalter sind. Kingsley hätte noch einiges in Europa erreichen können.“
Ob Coman seinen Kritikern trotzen oder in Vergessenheit geraten wird, bleibt abzuwarten – aber eines ist sicher: Der Wechsel hat Spuren hinterlassen. In München. In Frankreich. Und in den Herzen der Fans.