Emotionen kochen hoch – Elfmeter-Debatte beim BVB sorgt für Wirbel
Dortmund – Es war die 78. Spielminute im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt, als Borussia Dortmund einen Elfmeter zugesprochen bekam. Was normalerweise ein klarer Vorgang ist – Ball nehmen, Elfmeter schießen, jubeln – entwickelte sich zu einer kleinen Szene, die Fans, Medien und Verantwortliche gleichermaßen beschäftigte.
Sebastien Haller und Julian Brandt, beide nominierte Elfmeterschützen, gerieten sichtbar aneinander, als es darum ging, wer den Strafstoß ausführen sollte. Haller schnappte sich den Ball sofort, während Brandt gestikulierend auf eine zuvor besprochene Abmachung hinwies. Einige Sekunden lang standen die beiden Kopf an Kopf, es fielen Worte, der Unparteiische musste schlichtend eingreifen. Am Ende durfte Haller antreten – und traf souverän.
Was auf dem Feld wie ein handfester Streit wirkte, relativierte sich später in der Mixed Zone deutlich. BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl stellte sich den Fragen der Reporter und erklärte mit Nachdruck:
„Das war kein echtes Problem. Solche Dinge passieren in der Hitze des Gefechts. Beide Spieler wollten Verantwortung übernehmen – das ist etwas, das wir grundsätzlich positiv sehen.“
Laut Kehl war die Reihenfolge der Elfmeterschützen zwar grundsätzlich klar geregelt, doch spontane Entscheidungen auf dem Platz seien nicht ungewöhnlich:
„Natürlich gibt es eine Liste. Aber in dem Moment fühlte sich Seb wohl, Julian wollte aber ebenfalls – das zeigt ihren Ehrgeiz. Wichtig ist, dass sie nach dem Spiel darüber gesprochen haben. Die beiden verstehen sich weiterhin gut.“
Auch Trainer Edin Terzić kommentierte die Situation auf der Pressekonferenz mit einem Schmunzeln:
„Lieber zwei Spieler, die den Ball unbedingt haben wollen, als keiner. Klar, das war emotional, aber danach war das Thema vom Tisch.“
In den sozialen Medien allerdings kochte die Diskussion hoch. Einige Fans warfen Haller Egoismus vor, andere lobten seinen Mut, den Ball trotz des öffentlichen Konflikts zu nehmen. Brandt selbst äußerte sich später auf Instagram:
„Emotionen gehören zum Fußball. Wir haben das intern besprochen. Glückwunsch an Seb für den Treffer – und noch wichtiger: drei Punkte für den BVB!“
Interne Unruhe? Fehlanzeige. Auch in der Trainingseinheit am Tag danach zeigten sich beide Spieler gut gelaunt, lachten zusammen und arbeiteten Seite an Seite an Standardsituationen. Von einem „Riss“ im Team konnte keine Rede sein.
Was bleibt, ist die Erinnerung an eine intensive Szene, die zeigt, wie sehr Spieler für ihren Verein brennen – und wie dünn manchmal die Linie zwischen Ehrgeiz und Eigensinn ist. Der BVB hat gewonnen, der Strafstoß war drin – und am Ende zählt das.