Ein letzter Applaus für die Nummer 21: Bayern-Legende Jonas Reuter beendet seine Karriere
Die Sonne stand tief über dem Trainingsgelände an der Säbener Straße, als sich Spieler, Trainer, Mitarbeiter und Journalisten versammelten. Kein Spiel, keine Taktikbesprechung – sondern ein Moment der Geschichte. Jonas Reuter, 37 Jahre alt, dienstältester Spieler des FC Bayern München, gab offiziell das Ende seiner aktiven Karriere bekannt.
Mit 648 Pflichtspielen, 12 Meistertiteln, 4 Pokalsiegen und zwei Champions-League-Triumphen zählt Reuter zu den erfolgreichsten und konstantesten Spielern, die je das Trikot des deutschen Rekordmeisters getragen haben. Sein Name steht in einer Reihe mit Lahm, Schweinsteiger, Müller – und nun verlässt auch er die große Fußballbühne.
> „Ich bin angekommen. Mein Körper sagt mir, dass es Zeit ist. Und mein Herz sagt: Ich habe alles gegeben“, erklärte Reuter bei seiner Abschiedsrede.
Dabei war der gebürtige Augsburger nie der lauteste Spieler. Kein Sprücheklopfer, kein Medienliebling. Aber auf dem Platz war er ein Fels – ob als rechter Verteidiger, Innenverteidiger oder später als ruhiger Sechser. Seine Vielseitigkeit war ebenso gefragt wie seine Bescheidenheit.
„Jonas war kein Star im klassischen Sinn – er war unser Fundament“, sagte Vereinspräsidentin Katharina Hoeneß. „Ohne ihn hätten wir viele Titel nicht gewonnen.“
Reuter kam im Jahr 2008 als 20-jähriges Talent vom FC Augsburg zu den Bayern und kämpfte sich unter Jürgen Klinsmann in die erste Mannschaft. Spätestens unter Jupp Heynckes wurde er zum Stammspieler und Führungspersönlichkeit. Seine Grätschen, sein Stellungsspiel, seine Ruhe in brenzligen Situationen – all das machte ihn zu einem unverzichtbaren Teil der goldenen Bayern-Generation.
Auch international wurde Reuter geschätzt. 74 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft, darunter zwei WM-Teilnahmen und der EM-Titel 2016, krönten seine Laufbahn.
> „Der Fußball hat mir alles gegeben – und ich hoffe, ich habe dem Fußball auch etwas zurückgegeben“, sagte Reuter mit leicht brüchiger Stimme.
Die Fußballwelt reagierte prompt. Ex-Kollege David Alaba schrieb auf X (ehemals Twitter): „Mit Jonas verlässt einer der stillen Riesen den Platz – danke für deine Klasse, Bruder.“ Auch Bastian Schweinsteiger meldete sich zu Wort: „Ein Vorbild, wie es nur wenige gibt.“
Und wie geht es nun weiter? Reuter verriet, dass er sich eine Rolle im Jugendbereich vorstellen könne. „Ich möchte junge Spieler nicht nur fußballerisch, sondern auch menschlich prägen.“ Der FC Bayern bestätigte, dass bereits Gespräche über eine zukünftige Rolle im Verein laufen.
Zum Abschied wurde ein Video mit seinen größten Momenten gezeigt – darunter sein Volleytor gegen Dortmund im Supercup-Finale 2013 und sein entscheidender Elfmeter im CL-Halbfinale 2020 gegen PSG.
Dann zog er langsam sein Trikot aus, küsste das Wappen – und ging.
Ein Kapitel endet. Doch Legenden wie Jonas Reuter verschwinden nicht. Sie werden Teil der Geschichte.