Bayern-Boss „versteht die Sorgen“ der Fans – Sondertrikot sorgt für hitzige Debatten in der Allianz Arena
München – Es sollte ein festlicher Abend werden: Anlässlich des 125-jährigen Vereinsjubiläums präsentierte der FC Bayern München beim Heimspiel gegen den FC Augsburg ein eigens gestaltetes Sondertrikot – doch was als feierliche Geste gedacht war, endete in einem Sturm der Empörung. Schon vor Anpfiff gab es auf den Rängen lautstarke Proteste, und während der ersten Halbzeit entrollten Ultras im Süden der Allianz Arena mehrere Banner mit deutlicher Kritik: „Tradition ist kein Marketing-Gag“ und „Keine Identität für schnelle Profite“.
Der Grund: Das Jubiläumstrikot – in einem auffälligen Dunkelgold mit schwarzen Elementen – weicht deutlich von den traditionellen Vereinsfarben Rot und Weiß ab. Während der Verein das Design als „elegante Hommage an die Gründungszeit“ beschreibt, sehen viele Fans darin eine zunehmende Entfremdung von den Wurzeln des Klubs. Besonders kritisiert wurde, dass das Trikot ausschließlich online erhältlich und mit einem stolzen Preis von 139 Euro versehen ist.
Nach dem Spiel stellte sich Bayern-Vorstandsvorsitzender Jan-Christian Dreesen den Medien – und auch der Kritik: „Wir haben die Reaktionen der Fans zur Kenntnis genommen und nehmen sie sehr ernst. Ich verstehe die Sorgen der Anhänger, wenn es um Identität und Tradition geht. Das war nie als Provokation gedacht, sondern als besonderes Zeichen unserer Geschichte.“
Dreesen betonte, dass der Verein in den kommenden Wochen das Gespräch mit Fanvertretern suchen wolle, um die künftige Gestaltung von Sonderaktionen transparenter und gemeinschaftlicher zu gestalten. „Der FC Bayern lebt von seiner starken Fanbasis. Ohne sie wären wir nicht das, was wir heute sind“, so Dreesen.
Auch in den sozialen Netzwerken kochten die Emotionen hoch. Während einige Fans das Trikot als „mutig und modern“ lobten, äußerten sich andere enttäuscht: „Das ist nicht mein Bayern. Wo ist das Rot? Wo ist der Stolz?“ Besonders bitter: In der zweiten Halbzeit verloren die Münchner mit 1:2 – das erste Heimspiel der Saison. Für viele war das Ergebnis ein Symbol: Schönheit alleine gewinnt keine Spiele.
Spieler Thomas Müller äußerte sich nach dem Spiel diplomatisch: „Das Trikot ist Geschmackssache. Ich fand’s schick – aber ich verstehe auch die Fans, die lieber im traditionellen Rot sehen wollen, wie wir kämpfen.“
Die Trikot-Kontroverse hat erneut eine Diskussion entfacht, die längst nicht neu ist: Wie viel Kommerz verträgt der Fußball? Wo endet Innovation, und wo beginnt der Ausverkauf der Identität?
Klar ist: Das Sondertrikot war ein modischer Hingucker – doch die emotionale Rechnung dafür muss der FC Bayern nun begleichen. Wie der Verein mit dem Unmut umgeht, könnte wegweisend für zukünftige Entscheidungen im Spannungsfeld zwischen Marketing und Tradition sein.