Deutschland feiert Befreiungsschlag mit 3:1-Sieg gegen Nordirland
Köln – Nach wochenlanger Kritik, einem spürbaren Vertrauensverlust und einer historischen Niederlagenserie in der WM-Qualifikation gelang der deutschen Nationalmannschaft am Sonntagabend im Rhein-Energie-Stadion endlich der Befreiungsschlag: Mit einem überzeugenden 3:1 (2:0) gegen Nordirland beendete das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann eine Phase des Zweifelns – und schickte ein wichtiges Signal an Fans, Medien und vor allem an sich selbst.
Von Beginn an zeigte die DFB-Auswahl eine klare Reaktion. Angeführt von einem überragenden Joshua Kimmich im Mittelfeld und einem spielfreudigen Leroy Sané auf dem linken Flügel, ließ Deutschland keinen Zweifel daran, dass man Wiedergutmachung leisten wollte. Schon in der 9. Minute fiel das erlösende 1:0: Nach einer sehenswerten Kombination über drei Stationen setzte Florian Wirtz einen präzisen Flachschuss aus 18 Metern ins rechte untere Eck – unhaltbar für Nordirlands Keeper Bailey Peacock-Farrell.
Der Treffer wirkte wie ein Katalysator. Deutschland spielte befreit auf, kombinierte flüssig, zeigte Laufbereitschaft und agierte mit einer ganz anderen Körpersprache als noch bei der desaströsen 0:2-Niederlage gegen Polen vor vier Tagen. In der 33. Minute erhöhte Kai Havertz nach einer scharfen Flanke von David Raum per Kopf auf 2:0 – sein dritter Treffer in dieser Qualifikationsrunde.
Doch auch Nordirland hatte seine Momente. Kurz nach der Halbzeitpause nutzten die Gäste eine Unachtsamkeit in der deutschen Hintermannschaft. Ein missglückter Rückpass von Antonio Rüdiger landete direkt vor den Füßen von Conor Washington, der Manuel Neuer mit einem platzierten Schuss ins lange Eck überwand – 2:1 (52.).
Das Spiel drohte kurz zu kippen, doch Nagelsmann reagierte prompt. Mit der Einwechslung von Ilkay Gündogan und Niclas Füllkrug gewann das deutsche Spiel wieder an Stabilität und Zielstrebigkeit. Letzterer sorgte dann in der 78. Minute für die Entscheidung: Nach einem Eckball von Kimmich stieg Füllkrug am höchsten und wuchtete den Ball per Kopf zum 3:1-Endstand in die Maschen.
Die rund 45.000 Zuschauer in Köln feierten das Team mit stehenden Ovationen. Die Erleichterung war spürbar – bei den Spielern, beim Trainerstab und nicht zuletzt beim DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf, der nach dem Abpfiff von einer „richtungsweisenden Leistung“ sprach.
Nagelsmann zeigte sich nach dem Spiel zufrieden, aber auch realistisch: „Wir haben heute gezeigt, was in uns steckt, aber es war nur ein Schritt von vielen. Die Gruppe ist noch offen, und wir müssen jetzt dranbleiben.“
Mit dem Sieg klettert Deutschland auf Platz zwei der Gruppe und wahrt die Hoffnung auf die direkte Qualifikation für die Weltmeisterschaft. Die nächste Partie gegen die punktgleichen Tschechen wird nun zum Schlüsselspiel – sportlich und psychologisch.