Niklas Süle: Abschied im Schatten der Südtribüne?
Es ist ein warmer Spätsommertag in Dortmund, doch über dem Trainingsgelände von Borussia Dortmund liegt ein Hauch von Unsicherheit. Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) berichtet, dass Niklas Süle, der 28-jährige Innenverteidiger, wohl keine Zukunft mehr beim BVB haben dürfte. Ein neuer Vertrag? Laut Klubnahen Kreisen unwahrscheinlich.
Dabei war die Ankunft Süles im Sommer 2022 ein deutliches Signal. Ein deutscher Nationalspieler, ablösefrei vom FC Bayern gekommen, sollte die Dortmunder Defensive stabilisieren und dem Team auf dem Weg zur Meisterschaft Rückhalt geben. Doch die Realität verlief anders. Zwar zeigte Süle in der Anfangszeit starke Leistungen – körperlich präsent, spielstark und mit beeindruckender Ruhe am Ball – doch immer wieder wurde seine Fitness infrage gestellt. Kritiker bemängelten mangelnde Laufbereitschaft, fehlende Dynamik und Schwankungen in der Konzentration.
Intern soll die Unzufriedenheit gewachsen sein. Trainer Edin Terzić setzte in wichtigen Spielen zunehmend auf andere Alternativen. Mats Hummels, obwohl einige Jahre älter, galt oft als die verlässlichere Option. Neuzugang Nico Schlotterbeck übernahm Verantwortung. Süle hingegen fand sich häufiger auf der Bank wieder, teilweise sogar ganz außerhalb des Kaders.
„Niklas ist ein Spieler mit unglaublichem Potenzial, aber er muss jeden Tag zeigen, dass er es ausschöpfen will“, sagte Sportdirektor Sebastian Kehl auf einer Pressekonferenz im Mai – ein Satz, der wie ein Echo durch die Medienlandschaft hallte. Im Klartext: Einsatz allein reicht nicht, Disziplin und Einstellung entscheiden über eine Zukunft beim ambitionierten Vizemeister.
Hinter den Kulissen wird bereits spekuliert. Süles Vertrag läuft noch bis 2026, doch ein vorzeitiger Abschied scheint möglich. Englische Klubs sollen interessiert sein, darunter West Ham United und Newcastle. Auch eine Rückkehr zum FC Bayern, so unwahrscheinlich sie erscheint, wurde in Fanforen diskutiert – allerdings eher als Gedankenspiel denn als realistisches Szenario.
Für Süle selbst ist es eine Zeit der Reflexion. In Interviews gibt er sich kämpferisch, betont seinen Willen, sich durchzusetzen. Doch in einem Team, das sich neu erfinden und verjüngen will, könnte für Spieler mit hoher Gehaltsstruktur und unkonstanten Leistungen bald kein Platz mehr sein.
Die Fans auf der Südtribüne sind gespalten. Viele schätzen Süles ruhige Art, seine Erfahrung und seine Verbundenheit zum Land. Andere fordern Veränderungen, mehr Tempo, mehr Leidenschaft – Tugenden, die sie bei Süle zuletzt vermissten.
Noch ist nichts entschieden. Doch die Zeichen stehen auf Abschied. Und sollte Niklas Süle den BVB wirklich verlassen, wird es kein lauter Abgang sein, sondern eher ein stilles Verlassen der Bühne. Ohne Applaus, aber auch ohne Groll – wie ein Schatten, der langsam von der Südtribüne weicht.