Kane schlägt zurück – Ein englisches Duell der Worte
Die Presselandschaft Englands liebt Konflikte, und wenn zwei der größten Stürmerlegenden der letzten Jahrzehnte verbal aufeinandertreffen, brennt die Diskussion lichterloh. Michael Owen, Weltfußballer von 2001, hatte sich in einer Talkshow kritisch über Harry Kane geäußert. Mit ernster Miene erklärte Owen, Kane wirke „zu berechenbar, zu statisch“ in großen Spielen und habe es bislang versäumt, England in entscheidenden Momenten zu tragen. Worte, die sofort Schlagzeilen machten und im Netz Wellen schlugen.
Harry Kane, inzwischen Bayern-Kapitän und nach wie vor das Aushängeschild der „Three Lions“, ließ die Kritik nicht unkommentiert. In einem exklusiven Interview mit „The Guardian“ setzte er zu einer ungewöhnlich offenen Antwort an: „Ich respektiere Michael als Spieler und seine Karriere – aber die Zeiten haben sich geändert. Fußball ist heute schneller, taktisch komplexer. Wer mich auf meine Tore reduziert, versteht nicht, wie ich das Spiel lese, Räume schaffe und Mitspieler einsetze.“
Es war nicht nur eine Verteidigungsrede, sondern auch ein stiller Angriff. Kane stellte klar, dass Owen in seiner Ära zwar ein herausragender Konterstürmer gewesen sei, aber in einem modernen System mit Pressing, Aufbau aus der Tiefe und Positionswechseln womöglich Schwierigkeiten gehabt hätte. Ein Satz, der im Studio von Sky Sports bereits heiß diskutiert wurde: „Kane stellt Owens Erbe in Frage“, titelte die „Daily Mail“.
Hinter der Auseinandersetzung steckt mehr als nur verletzte Eitelkeit. Kane weiß, dass er als Kapitän nicht nur Tore, sondern auch Haltung liefern muss. Die EM 2024, in der England erneut im Halbfinale scheiterte, lastet schwer auf seinen Schultern. Owen, der sich selbst gerne als Stimme der schonungslosen Analyse versteht, traf mit seiner Kritik einen wunden Punkt. Doch Kane entschied sich, nicht den Kopf einzuziehen, sondern die Diskussion zu öffnen.
„Ich bin nicht perfekt“, gestand er im Interview, „aber meine Bilanz spricht für sich: Premier-League-Rekorde, Torschützenkönig in Deutschland, konstante Leistungen für die Nationalmannschaft. Wenn das nicht genug ist, frage ich mich: Was erwarten die Leute eigentlich?“
Fans reagierten gespalten. Während einige Owen zustimmten und meinten, Kane müsse in großen Endspielen mehr Präsenz zeigen, verteidigten andere ihren Kapitän vehement. Auf Social Media trendete der Hashtag #InKaneWeTrust, während gleichzeitig #OwenWasRight nicht minder viral ging.
Interessant ist, dass Gareth Southgate, noch immer Englands Trainer, sich klar hinter Kane stellte: „Harry ist nicht nur unser Torjäger, er ist unser Fixpunkt. Ohne ihn würden wir viele Spiele nicht dominieren. Kritik gehört dazu, aber wir sollten nicht vergessen, was er schon geleistet hat.“
Am Ende bleibt die Episode ein Spiegelbild des englischen Fußballs: große Erwartungen, harte Worte, verletzter Stolz – und ein Spieler, der gelernt hat, nicht nur mit dem Ball, sondern auch mit seinen Antworten ins Schwarze zu treffen. Kane hat nicht nur Michael Owen, sondern ganz England gezeigt, dass er bereit ist, Verantwortung zu übernehmen – auch wenn es bedeutet, sich gegen die Ikonen der Vergangenheit zu stellen.