Krise beim VfL Bochum: Hecking und Dufner müssen nach Fehlstart gehen
Nach nur fünf Spieltagen in der neuen Bundesliga-Saison zieht der VfL Bochum die Reißleine: Cheftrainer Dieter Hecking und Sport-Geschäftsführer Dirk Dufner wurden am Montagabend mit sofortiger Wirkung freigestellt. Der Verein reagiert damit auf den schlechtesten Saisonstart seit über einem Jahrzehnt – ein einziges Unentschieden, vier Niederlagen, elf Gegentore und nur zwei eigene Treffer sprechen eine deutliche Sprache.
Die Entscheidung fiel nach einer Krisensitzung, die bis in die späten Abendstunden im Vereinszentrum an der Castroper Straße andauerte. Präsident Hans-Peter Villis äußerte sich in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz deutlich: „Wir mussten handeln. Die Entwicklung auf dem Platz war besorgniserregend. Es geht nicht nur um Ergebnisse, sondern auch um die Art und Weise, wie wir auftreten. Die Leidenschaft, die den VfL auszeichnet, war nicht mehr erkennbar.“
Ein gescheitertes Projekt
Hecking, der erst im Sommer überraschend für den in die Premier League gewechselten Thomas Letsch übernahm, sollte Stabilität und Erfahrung bringen. Seine Rückkehr in die Bundesliga galt vielen als Coup – immerhin hatte der 60-Jährige in der Vergangenheit erfolgreiche Stationen bei Nürnberg, Gladbach und Wolfsburg vorzuweisen. Doch sein pragmatischer Ansatz stieß schnell an Grenzen. Die Mannschaft wirkte verunsichert, ideenlos im Spielaufbau und anfällig in der Defensive.
Dirk Dufner, seit Anfang 2023 im Amt, war maßgeblich für die Kaderplanung verantwortlich – und genau hier setzte die Kritik vieler Fans und Experten an. Trotz des Verkaufs von Leistungsträgern wie Christopher Antwi-Adjei und Patrick Osterhage im Sommer wurden kaum adäquate Verstärkungen geholt. Die Neuzugänge blieben bislang hinter den Erwartungen zurück. Besonders die Verpflichtung des verletzungsanfälligen Mittelstürmers aus der 2. französischen Liga wurde im Nachhinein als Fehleinschätzung gewertet.
Fans fordern Neuanfang
In den sozialen Medien kochte die Stimmung bereits seit Wochen. Nach dem desaströsen 0:4 gegen Mainz am vergangenen Wochenende forderten Fans auf Plakaten und in Online-Foren personelle Konsequenzen. Der Verein, bekannt für seine enge Bindung zur Anhängerschaft, musste reagieren.
„Wir danken Herrn Hecking und Herrn Dufner für ihre Arbeit, aber der VfL muss jetzt neu aufgestellt werden“, so Sportvorstand Ilja Kaenzig, der die Geschicke des Klubs vorerst übernehmen wird. Die Suche nach einem neuen Cheftrainer und Sportdirektor laufe bereits, heißt es aus Vereinskreisen. Erste Namen kursieren – darunter der vereinsnahe Peter Neururer sowie der junge Taktikexperte Daniel Thioune.
Wie geht es weiter?
Am kommenden Samstag trifft Bochum auf den ebenfalls kriselnden FC Augsburg. Wer dann an der Seitenlinie stehen wird, ist noch unklar. Die Mannschaft soll vorerst von Co-Trainer Heiko Butscher betreut werden. Für viele Fans ist klar: Dieses Spiel könnte bereits richtungsweisend sein – nicht nur sportlich, sondern auch emotional.
Die Ära Hecking/Dufner in Bochum endet so abrupt, wie sie begonnen hat – mit vielen Fragezeichen und noch mehr Hoffnungen auf einen echten Neuanfang.