Kehls Balanceakt: Wenn große Namen kurz vor dem Abschied stehen
Sebastian Kehl sitzt in seinem Büro im Signal Iduna Park, die Abendsonne wirft lange Schatten durch die Fensterfront, der Alltag eines Sportdirektors wiegt schwerer denn je. Die Postfächer sind voll, die Telefonate endlos, die Schlagzeilen laut – drei Spieler, deren Verträge bald enden: Niklas Süle, Emre Can, Julian Brandt. Namen mit Geschichte, mit Salär, mit Erwartungen – und mit Fragen.
Kehl atmet tief ein. Er hat sich vorbereitet. Er weiß, dass jede Äußerung verfolgt wird, in Dortmund, in München, in aller Welt. In dieser Nacht reflektiert er öffentlich – im Rahmen eines exklusiven Statements – über die Zukunft dieser drei Profis. Nicht mit Bitterkeit, aber mit spürbarem Ernst.
„Unsere Spieler wissen, was sie dem Verein gegeben haben“, beginnt Kehl. Süle mit seiner physischen Präsenz in der Innenverteidigung, Can als Vermittler zwischen Abwehr und Angriff, Brandt als kreativer Kopf mit feinem Fuß – jeder von ihnen Teil jener Identität, die Borussia Dortmund ausmacht. Doch Identität allein füttert keine Gehälter und sichert keine Titel. Kehl spricht von Leistung, von Konkurrenz, von der Realität des Fußballs.
Zuerst Niklas Süle. Kehl schildert ein Szenario, in dem Süle Optionen hat – Interessenten, Versprechen, ein neues Kapitel. Doch Dortmund sei kein Durchgangs- oder Stopover-Club. „Wir wollen keine kurzfristige Verpflichtung, die uns in der nächsten Saison zum Problem wird“, sagt Kehl. Er betont, dass Vertragsverlängerung nur Sinn mache, wenn Süle sich erneut als unverzichtbar erweist – in Form, Fitness und Führungswillen.
Dann Emre Can. Für ihn sei wichtig, wie er sich in den letzten Saisonspielen präsentiert habe – als Taktgeber, als Taktiker. Kehl lobt seine Vielseitigkeit: ob defensives Mittelfeld, Spielaufbau oder situative Absicherung der Innenverteidigung. Aber: „Wir erwarten keinen Platz auf dem Silbertablett. Wir erwarten, dass Emre beweist, warum wir ihn brauchen.“ Kein Warten auf die Unterschrift, sondern eine Entscheidung, die Leistung verdient.
Bei Julian Brandt klingt Kehl fast wehmütig: „Julian hat Momente gehabt, in denen er die Magie mitgebracht hat – Vorlagen, Dribblings, diese Augenblicke, die Fans lieben.“ Doch konstant und dauerhaft sei das große Wort. Brandt müsse wieder der Kreativkopf sein, der jede Partie beeinflusst. Andernfalls müsse auch er Optionen erwägen – und das nicht nur wegen Geld.
Hinzu kommt der Zeitfaktor. Kehl macht klar, dass Borussia Dortmund nicht in letzter Minute agieren will – keine Hektik, keine emotionalen Schnellschüsse. Verhandlungen sollen seriös geführt werden, sowohl mit Spielern als auch mit Beratern. Er spricht von Transparenz, aber auch von Härte: Vertragsverlängerung hat ihren Preis – sportlich und finanziell.
Intern stehe er in Gesprächen mit Trainer, Scouting, Finanzabteilung. Ziel: einen Plan, der Bestand hat – nicht bloß bis Sommer, sondern über mehrere Spielzeiten. Und: Es gehe nicht um einzelne Stars, sondern um das Kollektiv. Wer bleibt, wer geht, wer ersetzt – alles muss zusammenpassen.
Am Ende seines Statements blickt Kehl auf das Stadion, das auf der anderen Straßenseite leise summt – Fans, Erwartungen, Zukunft. Er spricht von Respekt: „Egal wie die Entscheidungen ausfallen – wir schulden ihnen Respekt. Spielern wie Süle, Can und Brandt. Doch in diesem Verein wird nicht allein Nostalgie das Maß sein – sondern Leistung.“ Die drei Verträge sind nicht nur rechtliche Dokumente – sie sind Ketten, die man locker oder fest ziehen kann, je nachdem, wie stark das Fundament darunter noch ist.