Stuttgarts ideenloser Auftritt – Hoeneß und seine Spieler nach dem Freiburger Kollaps unter Druck
Der SC Freiburg hat am Samstagabend nicht nur drei Punkte geholt, sondern dem VfB Stuttgart auch die Maske vom Gesicht gerissen. Die 2:3-Niederlage der Schwaben im Europa-Park Stadion war mehr als nur ein verlorenes Spiel – sie war ein Weckruf, der schmerzhafter kaum hätte ausfallen können. Nach einer 2:0-Führung zur Halbzeit wirkte das Team von Sebastian Hoeneß in der zweiten Hälfte wie paralysiert, ideenlos, fast resigniert.
„So darfst du nicht auftreten, wenn du Ambitionen hast,“ sagte ein sichtlich enttäuschter Waldemar Anton nach Abpfiff. Und tatsächlich: Was sich in den zweiten 45 Minuten abspielte, glich einem Lehrstück in Sachen kollektiven Versagens.
Schon vor dem Spiel war klar, dass Freiburg mit Aggressivität und Pressing antworten würde. Doch Stuttgart schien darauf keine Antwort zu haben. Das einst so kreative Mittelfeld um Angelo Stiller und Enzo Millot wirkte überfordert, die Laufwege stimmten nicht, die Passschärfe fehlte. Immer wieder versandeten Angriffe im Niemandsland, während Freiburg zunehmend die Kontrolle übernahm.
In der 52. Minute fiel der Anschlusstreffer durch Ritsu Dōan – und mit ihm die gesamte Struktur des VfB. Plötzlich begannen die einfachen Dinge schwer zu fallen. Der Ball lief nicht mehr, die Körpersprache veränderte sich. Als Vincenzo Grifo per Elfmeter in der 67. Minute ausglich, war klar: Stuttgart stand kurz vor dem mentalen Kollaps. Das 3:2 durch Gregoritsch in der 84. Minute war die logische Konsequenz – und eine Strafe für 40 Minuten Passivität.
Sebastian Hoeneß wirkte nach Spielende nachdenklich. „Wir haben komplett den Faden verloren. Es ist nicht das erste Mal, dass wir eine Führung so leichtfertig hergeben. Das müssen wir sehr ernst nehmen.“ Doch genau hier liegt das Problem: Es ist nicht das erste Mal. Bereits gegen Mainz und Hoffenheim zeigten die Stuttgarter ähnliche Schwächen, wurden nur durch individuelle Klasse gerettet. Gegen Freiburg aber reichte das nicht mehr.
Auch in der Offensive fehlten Impulse. Serhou Guirassy, der in der ersten Halbzeit noch getroffen hatte, hing in Hälfte zwei völlig in der Luft. Von der Bank kamen kaum Impulse. Silas und Leweling blieben wirkungslos. Die Wechsel wirkten verzweifelt statt geplant.
Die Fragen an Hoeneß nehmen zu: Hat der Trainer einen Plan B, wenn der dominierende Ballbesitzfußball nicht greift? Ist die Mannschaft mental stark genug für Drucksituationen? Und warum zerfällt ein so talentiertes Team innerhalb von Minuten?
Die kommenden Wochen werden zur Bewährungsprobe – nicht nur für die Spieler, sondern auch für Hoeneß selbst. Denn eins ist klar: In einem Bundesliga-Spitzenfeld, das enger ist denn je, kann man sich solche Blackouts nicht leisten.