Babbel rechnet ab: „Für mich ist Uli Hoeneß das größte Problem des FC Bayern“
Es war ein Interview, das wie ein Donnerschlag durch die Fußballwelt hallte. Ex-Bayern-Profi Markus Babbel, Europameister von 1996 und langjähriger Verteidiger des Rekordmeisters, sprach im Rahmen eines Sporttalks Klartext – und nahm dabei ausgerechnet den Ehrenpräsidenten Uli Hoeneß ins Visier. Für viele überraschend, für Kenner der Szene jedoch ein Echo auf eine wachsende Unzufriedenheit rund um die Führungsetage an der Säbener Straße.
„Für mich ist Uli Hoeneß das größte Problem des FC Bayern“, sagte Babbel mit ernster Miene. „Solange er weiter aus dem Hintergrund Einfluss nimmt, werden wir keine Ruhe in den Klub bekommen. Das spürt man überall – in der Führung, bei den Trainern, bei den Spielern.“
Babbel, der zwischen 1991 und 2000 über 180 Spiele für die Münchner bestritt und später unter anderem Trainer beim VfB Stuttgart und Hertha BSC war, gilt als jemand, der nicht um den heißen Brei redet. Seine Kritik zielte vor allem auf die Konstellation im Vorstand und den anhaltenden Einfluss, den Hoeneß trotz seines offiziellen Rückzugs 2019 immer noch zu haben scheint.
„Natürlich ist Uli eine Ikone – ohne ihn wäre der FC Bayern nicht das, was er heute ist. Aber irgendwann muss man lernen loszulassen. Stattdessen ruft er Journalisten an, mischt sich in Transferentscheidungen ein, lässt seine Meinung über Medien verbreiten. Das ist Gift für jede Führungskraft, die sich etablieren will“, so Babbel weiter.
Er spielt damit unter anderem auf die viel diskutierte Personalie Max Eberl an, der als Sportvorstand zwar offiziell das Sagen haben soll, laut Insidern aber regelmäßig „Rückendeckung“ – oder Kontrolle – aus Tegernsee bekomme. Auch Trainer Vincent Kompany soll von „Altlasten“ innerhalb des Vereinsumfelds gewarnt worden sein.
Babbels Aussagen fallen in eine Phase, in der der FC Bayern ohnehin um Struktur und sportliche Stabilität ringt. Die vergangene Saison beendete der Klub ohne Titel – erstmals seit über einem Jahrzehnt. Interne Grabenkämpfe, das plötzliche Aus von Thomas Tuchel und eine durchwachsene Transferpolitik ließen Zweifel an der einst so gefürchteten Dominanz der Bayern aufkommen.
Besonders pikant: Hoeneß hatte zuletzt in einem TV-Interview selbst gegen Tuchel geschossen und dabei die öffentliche Meinung polarisiert. „Ein Trainer, der nicht mit jungen Spielern arbeiten will, passt nicht zu Bayern“, hatte er gesagt – was viele als Nachtreten deuteten. Babbel hingegen fordert eine Rückbesinnung: „Was wir brauchen, ist ein echter Neuanfang – und dafür muss sich auch Uli zurücknehmen.“
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: Während einige Fans Babbel für seinen Mut lobten, kritisierten andere seine „Illoyalität“. Doch eines steht fest: Das Schweigen rund um den Einfluss des Ehrenpräsidenten ist gebrochen – und die Debatte, wie viel Uli Hoeneß dem FC Bayern heute noch gut tut, ist neu entfacht.