„Wo ist die versteckte Kamera?“ – Toppmöller blickt auf überraschende Nagelsmann-Entlassung beim FC Bayern zurück
Mehr als zwei Jahre sind vergangen, seit der FC Bayern München im März 2023 völlig überraschend Julian Nagelsmann und dessen gesamtes Trainerteam entließ – darunter auch Co-Trainer Dino Toppmöller, der heute Cheftrainer bei Eintracht Frankfurt ist. In einem bemerkenswert offenen Gespräch im Podcast Phrasenmäher blickte Toppmöller nun auf diesen dramatischen Moment zurück – und schilderte die Entlassung aus einer sehr persönlichen Perspektive.
„Ich dachte wirklich, da steht gleich einer mit der Kamera auf und sagt: ‘Verarscht!’“, erinnert sich Toppmöller. „Wir waren im Urlaub, hatten ein paar freie Tage bekommen, und plötzlich klingelt das Handy. Die Nachricht kam wie aus dem Nichts.“
Zum Zeitpunkt der Entlassung stand der FC Bayern in der Bundesliga auf dem zweiten Platz, hatte das Viertelfinale der Champions League erreicht und war noch im DFB-Pokal vertreten. Sportlich schien nichts auf einen Trainerwechsel hinzudeuten – umso größer war der Schock, als der Verein offiziell verkündete, sich mit sofortiger Wirkung von Nagelsmann und seinem Staff zu trennen.
„Wir haben am Abend zuvor noch über Trainingsinhalte für die kommende Woche gesprochen“, erzählt Toppmöller. „Und plötzlich war alles vorbei. Ohne Vorwarnung. Kein Gespräch mit dem Vorstand, keine Signale. Es war einfach… zack, vorbei.“
In der Öffentlichkeit wurde viel über das „Warum“ spekuliert. Interne Unruhe, fehlende Entwicklung, atmosphärische Störungen – konkrete Gründe nannte der Verein nie. Für Toppmöller bleibt die Entscheidung bis heute schwer nachvollziehbar. „Natürlich weiß man als Trainer, dass man nie sicher ist. Aber es geht um das Wie. Und das war, gelinde gesagt, unsauber.“
Toppmöller spricht dennoch mit Respekt über seine Zeit beim Rekordmeister. „Die Arbeit bei Bayern war intensiv, lehrreich und voller Höhepunkte. Aber auch voller Druck. Jeder Fehler wird millionenfach diskutiert.“ Besonders hebt er die Zusammenarbeit mit Nagelsmann hervor: „Julian ist ein Taktik-Freak, ein akribischer Arbeiter. Dass man ihn in dieser Phase fallen gelassen hat, war menschlich enttäuschend.“
Nach der Entlassung ging Toppmöller zunächst in die sportliche Warteschleife, bevor er im Sommer 2023 bei Eintracht Frankfurt anheuerte. Dort hat er sich inzwischen einen Namen gemacht – mit mutigem Offensivfußball und einem klaren Plan. „Vielleicht war das damals nötig, um meinen eigenen Weg zu gehen“, sagt er heute nachdenklich.
Ob er irgendwann zum FC Bayern zurückkehren würde? Toppmöller lächelt: „Im Fußball sollte man niemals nie sagen. Aber ich habe aus der Erfahrung gelernt: Man braucht Vertrauen, Rückendeckung und Kommunikation – sonst wird’s schnell einsam an der Seitenlinie.“
Was bleibt, ist ein Kapitel voller Fragen und ein Trainer, der aus dem größten Schock seiner Karriere neue Stärke geschöpft hat. Und doch hallt der erste Gedanke bis heute nach: „Wo ist die versteckte Kamera?“