Kovač zieht Positives aus wildem 4:4 in Turin: „Es war nervenaufreibend – aber wir haben viel gelernt“
Turin – Nach einem der spektakulärsten Spiele der Champions-League-Gruppenphase, einem 4:4 zwischen Borussia Dortmund und Juventus Turin, stand BVB-Cheftrainer Niko Kovač mit gemischten Gefühlen vor den Mikrofonen. Zwar verspielte sein Team eine 4:2-Führung in der Schlussphase, doch der erfahrene Coach betonte die positiven Aspekte dieses verrückten Fußballabends.
„Natürlich fühlt sich das Ergebnis im Moment bitter an. Wenn du auswärts vier Tore schießt, musst du eigentlich gewinnen“, sagte Kovač direkt nach dem Abpfiff. „Aber wir dürfen nicht vergessen, gegen wen wir gespielt haben – Juventus ist nicht irgendein Gegner. Das hier war eine echte Prüfung für unsere Entwicklung, und ich habe viele gute Dinge gesehen.“
„Das war Champions-League-Fußball pur“
Der zweite Durchgang im Allianz Stadium hatte es in sich. Nachdem die erste Halbzeit torlos blieb, explodierte das Spiel in der zweiten Hälfte. Acht Tore binnen 45 Minuten – ein Rekord in dieser Saison. Dortmund drehte zunächst einen Rückstand in eine Führung und zeigte phasenweise Offensivfußball der Extraklasse. Doch defensive Nachlässigkeiten und die unermüdliche Mentalität der Italiener kosteten am Ende den Sieg.
Kovač analysierte nüchtern: „Wir haben heute alle Facetten des Spitzenfußballs erlebt: Dominanz, Kreativität, Energie – aber eben auch Unkonzentriertheiten und fehlende Cleverness in den letzten Minuten.“
Kobel: „Wir haben zu früh aufgehört zu spielen“
Auch Torhüter Gregor Kobel, der trotz vier Gegentoren mehrfach stark parierte, meldete sich zu Wort:
„Ich denke, wir haben nach dem 4:2 geglaubt, das Ding ist durch. Aber in der Champions League bekommst du nichts geschenkt. Das war ein harter, aber wichtiger Lernmoment.“
Trotz der Enttäuschung über das Remis war auch bei ihm die Erkenntnis spürbar, dass die Mannschaft auf dem richtigen Weg ist. „Wir sind mutig aufgetreten, wir haben Juve in deren Stadion unter Druck gesetzt – das schaffen nicht viele.“
Blick nach vorne: „Wir werden daraus wachsen“
Für Kovač ist klar: Solche Spiele formen ein Team – auch wenn sie schmerzen.
„Die Jungs waren enttäuscht in der Kabine, klar. Aber genau da setzen wir an. Wenn du Spiele auf diesem Niveau erlebst, wächst du daran – als Mannschaft, aber auch als Einzelspieler.“
Der Trainer lobte besonders die Auftritte von Bynoe-Gittens, Malen und Brandt, die „mit Tempo und Ideen das Spiel geprägt“ hätten. Auch Einwechselspieler Marco Reus habe mit seinem Freistoßtor „gezeigt, wie wertvoll Erfahrung ist“.
Fazit
Auch wenn Borussia Dortmund den Sieg aus der Hand gab, bleibt der Eindruck, dass die Mannschaft unter Kovač auf einem guten Weg ist. Das 4:4 in Turin war ein Statement – wenn auch mit Schönheitsfehlern.
Niko Kovač hat ein Team geformt, das in Europa nicht nur mithalten, sondern begeistern kann. Jetzt geht es darum, aus Fehlern zu lernen – und mit breiter Brust ins nächste Duell zu gehen.