Turin: Kovač zieht trotz Drama im Allianz-Stadion positive Bilanz – BVB trotzt italienischem Druck
Turin – Es war ein Fußballabend, der allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben wird. In einem nervenaufreibenden Spiel zwischen Borussia Dortmund und Juventus Turin versprach Niko Kovač, Cheftrainer der Schwarz-Gelben, nach dem Abpfiff, „die positiven Aspekte aus dieser chaotischen Nacht mitzunehmen“. Die Partie endete mit einem umkämpften 2:2, doch das Ergebnis rückte angesichts der Dramatik beinahe in den Hintergrund.
Schon vor dem Anpfiff war klar, dass dieses Spiel mehr war als ein gewöhnliches Champions-League-Gruppenspiel. Die Kulisse im Allianz-Stadion brodelte – 40.000 italienische Fans sorgten für eine Atmosphäre, die elektrisierend und einschüchternd zugleich war. Kovač, der erst seit wenigen Monaten das Traineramt in Dortmund innehat, sprach nach dem Spiel von einem „Feuertest für die mentale Stärke“ seiner Mannschaft.
Die erste Halbzeit verlief wie ein Schlagabtausch zweier Schwergewichte. Juventus ging bereits in der 9. Minute durch Federico Chiesa in Führung. BVB-Keeper Gregor Kobel bewahrte sein Team mit mehreren Glanzparaden vor einem höheren Rückstand. „Es war eine Prüfung für jeden Einzelnen auf dem Platz“, sagte Kobel später. „Wir mussten ruhig bleiben, obwohl das Spiel um uns herum zu explodieren drohte.“
Dortmund zeigte sich jedoch unbeeindruckt. In der 27. Minute erzielte Julian Brandt nach einem perfekt getimten Pass von Reus den Ausgleich. Doch das Spiel blieb wild – Gelbe Karten, hitzige Wortgefechte und ein umstrittener VAR-Entscheid, der einen möglichen Elfmeter für Dortmund zurücknahm, heizten die Stimmung weiter an.
In der zweiten Halbzeit wurde die Partie noch intensiver. Vlahović brachte Juventus erneut in Führung, doch Dortmund kämpfte verbissen – und wurde belohnt: In der 87. Minute traf der eingewechselte Youssoufa Moukoko per Kopfball nach einer Ecke zum verdienten Ausgleich.
Nach dem Spiel gab sich Kovač kämpferisch. „Wir haben heute nicht nur gegen Juventus gespielt, sondern auch gegen den Druck, gegen die Atmosphäre und gegen unsere eigenen Nerven. Und wir sind nicht eingebrochen.“ Besonders hob er die Leistung junger Spieler wie Moukoko und Bynoe-Gittens hervor, die in der „Hexenkessel-Atmosphäre“ kühlen Kopf bewahrten.
Faktisch gesehen hilft das Unentschieden Dortmund in der Tabelle – der Einzug ins Achtelfinale bleibt realistisch. Doch für Kovač zählt mehr als das Ergebnis. „Manchmal sind es nicht die Punkte, sondern die Lektionen, die ein Team formen.“
Turin mag der Schauplatz eines chaotischen Abends gewesen sein, doch für Borussia Dortmund und ihren Trainer war es auch ein Ort des Wachstums. Und vielleicht – so Kovač – „ein entscheidender Wendepunkt in unserer Saison.“