Die Abendsonne brennt herunter über der PreZero Arena in Sinsheim – die Hitze liegt noch in der Luft, als Vincent Kompany seine Startelf-Mannschaft einstellt, fünf Tage nach dem glanzvollen Sieg gegen Chelsea in der Champions League. Der Rekordmeister hat kaum Verschnaufpause gehabt, die Saison läuft heiß, und Kompany weiß: Nur mit einem starken Kader kann man über Stunden Leistung bringen. Seine Entscheidung: Rotation. Eine bewusste, mutige Umstellung auf gleich fünf Positionen.
Tagelang hatte man in München über Belastung geredet – zu kurze Saisonvorbereitung, zu viele Spiele in kurzer Folge. Kompany spricht offen davon, dass das „Cockpit“ des Teams sich kaum ausruhen könne, dass jeder Akteur gebraucht werde. In Hoffenheim bot er daher mehrere Neue in der Startformation auf: Minjae Kim vertrat Dayot Upamecano in der Innenverteidigung, Sacha Boey rückte auf die rechte Seite der Abwehr, Konrad Laimer wanderte nach links, weil Josip Stanisic verletzt fehlte. Leon Goretzka ersetzte Joshua Kimmich im Mittelfeld, während die Offensive mit den Debütanten Nicolas Jackson und dem jungen Lennart Karl durchmischt wurde.
Der Anpfiff – und schon:
Die ersten Minuten sind holprig. Hoffenheim presst mutig, gewinnt Zweikämpfe, läuft viele Wege. Bayern gewöhnt sich noch an die neuen Abläufe. Das Passspiel ist nicht so geschmeidig wie gegen Chelsea. Ein Schuss an den Pfosten, gefährliche Aktionen auf der Seite des Gastgebers. Aber allmählich stabilisiert sich das Spiel. Kompany nimmt das Kommando an der Seitenlinie auf, er mahnt, dirigiert, stellt um.
Kurz vor der Halbzeit das erste Tor – Harry Kane trifft mit einem präzisen Abschluss nach einem Standard: Vorbereitung über die Ecke, cleveres Positionsspiel, Ablenkung – alles trainiert, alles vorbereitet. Das Spiel kippt. Bayern bekommt Vertrauen, Kontrolle.
Nach der Pause legt Bayern los wie entfesselt. Kompanys Rotation zeigt Wirkung: Frische Beine, Tempo, Mut. Kane trifft vom Punkt, trifft erneut, sorgt für klare Verhältnisse. Auch Serge Gnabry nutzt eine Chance in der Schlussphase zum 4:1 – ein Tor in der Nachspielzeit, der Schlusspunkt eines souveränen Auftritts.
Aber mehr noch als die Tore zeigt das Spiel: Die Tiefe des Kaders, die Bereitschaft aller Spieler – der etablierten wie der jungen Neuen – mitzuziehen. Die Rotation war kein Bruch, sondern Teil eines Plans, ein Stück strategischer Weitsicht: Belastung steuern, Spieler frisch halten und dennoch Wettbewerbsfähigkeit auf ganzer Linie demonstrieren. Kompany hatte gesagt, er vertraue allen im Kader, wolle allen Männern Einsatzzeiten bieten. Diese Ansage wurde hörbar – und sichtbar – umgesetzt.
Am Ende steht ein verdienter 4:1‑Sieg, der siebte Erfolg im siebten Pflichtspiel. Trotz ungewöhnlicher Aufstellung, trotz Belastung – Bayern zeigt Charakter, zeigt Klasse. Die Rotation war kein Experiment, sondern eine bewusste Waffe. Und sie hat gewirkt.