Trotz 4:1-Sieg: Kompany überrascht – „Hoffenheim war in Hälfte eins die klar bessere Mannschaft“
München – Es war ein Fußballabend, wie er im Buche steht: Flutlicht, volle Allianz Arena, eine klare Anzeigetafel – und dennoch ein Trainer, der mit ernsten Worten überrascht. Nach dem überzeugenden 4:1-Sieg des FC Bayern München gegen die TSG Hoffenheim trat Bayern-Coach Vincent Kompany vor die Mikrofone – und sprach Klartext. Nicht über seine Mannschaft, nicht über die vier Tore. Sondern über den Gegner.
„Ganz ehrlich“, begann Kompany mit ruhiger Stimme, „Hoffenheim war in der ersten Halbzeit die klar bessere Mannschaft. Sie haben uns vor große Probleme gestellt – und wir haben Glück gehabt, dass wir nicht in Rückstand geraten sind.“
Eine Aussage, die überrascht – und doch ihre Berechtigung hat. Tatsächlich präsentierten sich die Gäste aus Sinsheim in den ersten 45 Minuten mutig, strukturiert und spielerisch auf Augenhöhe. Mehrere Male musste Bayern-Keeper Manuel Neuer in höchster Not retten, darunter ein spektakulärer Reflex gegen Beier in der 27. Minute. Die TSG schnürte den Rekordmeister phasenweise in dessen Hälfte ein, während Kompany an der Seitenlinie sichtlich unzufrieden wirkte.
„Unser Positionsspiel war schlecht, das Umschaltverhalten nicht existent“, analysierte Kompany gewohnt nüchtern. „Wenn Hoffenheim da effizienter ist, reden wir über ein ganz anderes Spiel.“
Doch Fußball bleibt ein Spiel der Effektivität – und hier zeigte sich die individuelle Klasse der Münchner. Ein Doppelschlag kurz vor der Pause durch Leroy Sané und Jamal Musiala brachte die Wende. Nach dem Seitenwechsel dominierte Bayern das Spielgeschehen klar, baute die Führung durch Kane (57.) und Tel (82.) weiter aus, während Hoffenheim nur noch zum Ehrentreffer kam.
Trotzdem blieb Kompany bei seiner Linie. „Wir dürfen uns von einem Endergebnis nicht blenden lassen“, betonte er. „Wir wollen dominanten Fußball spielen – und das war in der ersten Hälfte weit entfernt von unserem Anspruch.“
Ein solcher Realismus ist in der Hochglanzwelt des Profifußballs selten – und zeigt, wie ernst Kompany seinen Weg bei den Bayern verfolgt. Seit seinem Amtsantritt ist er nicht nur für seine taktische Disziplin bekannt, sondern auch für seine schonungslose Analyse. Seine Aussagen nach dem Spiel sind Ausdruck einer Haltung, die in München zuletzt vermisst wurde: kein Schönreden, kein Selbstlob – sondern konsequentes Streben nach Verbesserung.
Auch Hoffenheim-Coach Pellegrino Matarazzo zeigte sich beeindruckt: „Wenn ein Trainer wie Kompany unsere erste Halbzeit lobt, bedeutet das viel. Aber wir müssen lernen, so eine Leistung über 90 Minuten zu bringen.“
Am Ende stand ein verdienter Sieg für den FC Bayern – und ein Trainer, der trotz des Erfolgs nicht zufrieden war. Für Kompany zählt nicht nur das Ergebnis. Sondern die Art, wie es zustande kommt. Und da sieht er noch Luft nach oben.