Stuttgart und das „Doppelsechs-Duell“: Andres vs. Karazor – Wer setzt sich durch?
Nach Wochen voller Zweifel, Medienkritik und leiser Unruhe hat der VfB Stuttgart am Freitagabend ein klares Zeichen gesetzt. Mit dem 3:0-Sieg gegen den FC St. Pauli schob die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß nicht nur alle Krisengerüchte beiseite, sondern offenbarte auch eine neue, vielversprechende Dynamik im Mittelfeld – ausgelöst durch die stille, aber spürbare Konkurrenz zwischen Alexander Andres und Atakan Karazor.
Die Vereinsführung beobachtet das Geschehen aufmerksam. „Wir sehen auf der Sechs eine hochinteressante Situation“, sagte Sportdirektor Fabian Wohlgemuth am Samstagvormittag. „Beide Spieler bringen unterschiedliche Qualitäten mit, und aktuell profitieren wir von diesem Wettbewerb enorm.“
Andres: Der Aufsteiger
Alexander Andres, erst vor wenigen Monaten aus der Regionalliga gekommen, wirkt plötzlich wie ein erfahrener Taktgeber. Gegen St. Pauli glänzte er mit Übersicht, Zweikampfstärke und klugen Vertikalpässen. Seine Präsenz im Zentrum sorgte für mehr Balance zwischen Offensive und Defensive – ein Element, das dem VfB in den letzten Spielen gefehlt hatte.
Hoeneß stellte ihn überraschend in die Startelf – ein mutiger Schritt, wenn man bedenkt, dass mit Karazor ein erfahrener Stammspieler auf der Bank Platz nahm. Doch Andres zahlte das Vertrauen in vollen Zügen zurück.
Karazor: Der Platzhirsch unter Druck
Atakan Karazor ist in Stuttgart kein Unbekannter. Als zweikampfstarker Sechser mit strategischem Denken galt er lange als unverzichtbar. Doch zuletzt schlichen sich Unsicherheiten in sein Spiel, die Fehlpassquote stieg, das Tempo fehlte. Intern soll es bereits Gespräche gegeben haben, in denen Hoeneß klar machte: Jeder Platz ist hart umkämpft – auch für Karazor.
Nach dem Spiel gegen St. Pauli äußerte sich Hoeneß diplomatisch: „Atakan bleibt ein wichtiger Spieler für uns. Aber Alex hat sich diese Chance erarbeitet und genutzt.“ Zwischen den Zeilen: Andres könnte auch gegen Augsburg wieder starten.
Ein Duell mit Signalwirkung
In der Mercedesstraße spricht man inzwischen vom „Doppelsechs-Duell“. Während viele Teams mit nur einem defensiven Mittelfeldspieler agieren, überlegt Hoeneß offenbar, künftig beide parallel einzusetzen – ein Ansatz, den er aus seiner Zeit im Nachwuchsbereich des FC Bayern kennt.
„Es ist eine Luxus-Situation“, sagt Vorstandschef Alexander Wehrle. „Solche internen Konkurrenzkämpfe auf hohem Niveau treiben eine Mannschaft nach vorn.“
Ausblick: Eine neue Mittelfeld-Ordnung?
Die kommenden Spiele werden zeigen, ob Andres seine Form bestätigen kann – und ob Karazor darauf mit sportlicher Antwort reagiert. Für den VfB Stuttgart könnte dieses Duell mehr sein als nur ein positionsbezogener Konkurrenzkampf. Es ist ein Symbol für die neue Tiefe im Kader, den neuen Anspruch – und vielleicht der Schlüssel zur Stabilität in einer Saison, die so verheißungsvoll begonnen hat.