Kompany trotz 4:1-Sieg selbstkritisch: „Hoffenheim war in der ersten Halbzeit besser“
MÜNCHEN – Es war ein klarer Sieg auf dem Papier, doch die Analyse nach dem Abpfiff offenbarte eine andere Sichtweise: Nach dem 4:1-Erfolg des FC Bayern München über die TSG 1899 Hoffenheim trat Trainer Vincent Kompany mit bemerkenswerter Offenheit vor die Kameras – und lobte dabei überraschend den Gegner: „Wir haben gewonnen, ja. Aber Hoffenheim war in der ersten Halbzeit das bessere Team.“
Tatsächlich begann die Partie in der Allianz Arena keineswegs so dominant, wie es das Endergebnis vermuten lässt. Die Sinsheimer überraschten die Bayern mit mutigem Pressing, präzisem Passspiel und einer disziplinierten Defensive. Besonders in den ersten 30 Minuten wirkten die Münchner verunsichert, leisteten sich ungewöhnlich viele Ballverluste und kamen kaum zu strukturierten Angriffen.
„Wir haben in der ersten Halbzeit zu viele Räume gelassen und nicht die nötige Intensität auf den Platz gebracht“, erklärte Kompany. „Hoffenheim hat das clever ausgenutzt. Es hätte durchaus 0:1 für sie stehen können.“ Einzig die mangelnde Chancenverwertung der Gäste verhinderte einen Rückstand für den Rekordmeister.
Erst kurz vor der Halbzeit fanden die Bayern besser ins Spiel. Ein schneller Konter über Sané und Musiala leitete schließlich das 1:0 durch Harry Kane ein (42.), das wie aus dem Nichts kam und die Partie kippte. Kompany zeigte sich dennoch unzufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft in den ersten 45 Minuten: „Wir müssen lernen, von Beginn an präsent zu sein. Nur mit individuellen Momenten gewinnen wir auf Dauer keine Spiele.“
Nach der Pause zeigte sich ein anderes Bild: Die Münchner kamen mit mehr Energie aus der Kabine, erhöhten den Druck und ließen Hoffenheim kaum mehr zur Entfaltung kommen. Innerhalb von 20 Minuten machte Kane seinen Hattrick perfekt (52., 67.), ehe Serge Gnabry in der Schlussphase für den vierten Treffer sorgte (84.). Hoffenheim gelang zwischenzeitlich nur der Anschluss durch Kramarić (58.), der allerdings nur kurzzeitig Hoffnung aufkommen ließ.
Kompanys ehrliche Analyse wurde von vielen Beobachtern gelobt. Es sei ein Zeichen von Führungsstärke, trotz eines klaren Ergebnisses die Schwächen offen anzusprechen. „Wir müssen diese erste Halbzeit sehr genau analysieren“, betonte er. „Wenn wir unsere eigenen Ansprüche ernst nehmen, reicht so eine Leistung nicht – auch wenn das Ergebnis für uns spricht.“
Die Bayern bleiben mit dem vierten Sieg im vierten Spiel an der Tabellenspitze, doch der belgische Cheftrainer mahnt zur Vorsicht: „Wir dürfen uns nicht blenden lassen. Ergebnisse sind wichtig, ja – aber die Art und Weise, wie wir dorthin kommen, ist entscheidend.“
Ein Statement, das zeigt: Unter Kompany zählen in München nicht nur Tore und Punkte, sondern auch Anspruch, Struktur – und Selbstkritik.