Daniel Peretz sitzt allein in einem Konferenzraum des Trainingszentrums, das Licht ist schummrig, die Wände wirken kalt. Seit Monaten hat sich der israelische Nationaltorwart Hoffnungen gemacht: Man habe ihm versprochen, er würde beim HSV die Nummer eins sein – ein Ziel, das er sich ausgeguckt hatte, als er von Bayern München auf Leihbasis kam. Doch Tag um Tag sieht er sich auf der Ersatzbank wieder. Daniel Heuer Fernandes, der amtierende Stammkeeper, hält zuverlässig die Stellung. Spiele gehen vorbei – in Liga und Pokal – und Peretz bleibt unberührt.
Als endlich ein Interview kam, war es wie ein lauter Ruf aus der Stille. „Ich bin enttäuscht, dass ich nicht spiele“, gibt Peretz offen zu. „Ich dachte, es wäre klar, dass ich von Anfang an Einsatzzeiten bekomme.“ Es klingt nicht wie Gejammer – mehr wie ein Mann, der das Ziel vor Augen hatte und jetzt realisiert, wie weit er davon entfernt ist. Und: Er denkt laut über einen Abbruch seiner Leihe im Winter nach – ein Moment, in dem sich alles ändern könnte.
Doch auf der anderen Seite des Verhandlungstisches bleibt Stefan Kuntz ruhig. Er sitzt in seinem Büro, den Blick auf den Kalender gerichtet, in dem die nächsten Trainings- und Spieltage eingetragen sind. Zum Gespräch über Peretz’ Worte sagt Kuntz: „Ich kann Daniels Frustration verstehen – vor allem nach Israel’s deutliches 0:5 gegen Norwegen.“ Doch dann betont er klar: „Unsere Planungen ändern sich dadurch nicht.“ HSV wolle Peretz behalten – nicht nur, um Konkurrenzdruck für Heuer Fernandes zu schaffen, sondern weil man von seiner Qualität überzeugt sei. „Er ist nicht nur ein großartiger Mensch, sondern ein herausragender Torwart, der regelmäßig in der Lage ist, unser Training auf Bundesliga-Niveau zu heben.“
In seinem Hinterkopf weiß Kuntz, dass im Profifußball manchmal Versprechen gemacht werden – und manchmal abgelehnt wird. Dass ein Spieler denkt, er sei klar aufgestellt, und dann doch in der Rolle des Ersatzkeepers landet. Aber Kuntz sieht darin kein Scheitern, sondern eine Herausforderung: für Peretz, für den Klub und auch für die Verantwortlichen. Der Saisonverlauf ist lang, und Winterpause heißt nicht Aufgabe. Stattdessen ein Wendepunkt – für den, der ihn nutzt.
Daniel Peretz wird weiter trainieren, jede Übung mit Konzentration, jedes Abschlusstraining mit Kampfgeist. Daniel Heuer Fernandes wird weiterhin spielen – solange er Leistung bringt. Vielleicht gibt es im Januar Gespräche: über mehr Einsatzzeiten, über die Möglichkeit einer Rückkehr oder eines neuen Leihplatzes. Aber Kuntz’ Botschaft steht fest: HSV bleibt seiner Linie treu und sieht in Peretz keinen Spieler, der einfach aufgegeben wird.
Und so bleibt die Luft gespannt. Wird Peretz den Kampf gewinnen? Bleibt er geduldig oder nimmt er seinen Hut? Die Winterpause wird es zeigen – doch bis dahin herrscht in Hamburg Ruhe, nicht Beunruhigung. Ein Wettlauf um den Platz – nicht nur auf dem Feld, sondern im Kopf.