Joshua Kimmich zieht blank: „Chelsea, der Sommer, die Bundesliga – wir haben viel zu verlieren, aber auch viel zu gewinnen“
Als die Scheinwerfer in der Hall of Fame des FC Bayern etwas heller werden, hebt Joshua Kimmich sein Glas Wasser und schaut kurz auf. Dann legt er los – ruhig, bestimmt, mit der Autorität eines Spielers, der weiß, wie man Forderungen stellt, ohne die Kontrolle zu verlieren.
„Chelsea“ – das klingt noch schwer in seinen Ohren. Das Champions League‑Achtelfinale gegen den Premier League‑Giganten lastet wie ein Versprechen auf seinen Schultern. Auf BR24Sport erzählt er: „Wenn wir gegen Chelsea antreten, ist das kein Testspiel. Es ist ein Statement. Wir wissen, was auf dem Spiel steht. Unsere DNA, unsere Ambitionen, unser Stolz.“ Er betont, dass Bayern nicht einfach reagieren will, sondern das Spiel gestalten möchte – aggressiv pressend, clever im Aufbauspiel, stabil in der Defensive.
Ein großes Thema: der Sommer der Veränderungen. Kimmich wirkt ernst, als er sagt: „Wir hatten Lücken. Nicht weil wir schlecht gearbeitet hätten, sondern weil wir Erwartungen haben – an uns selbst und vom Umfeld.“ Der Abschied von Thomas Müller, das Angebot an Leroy Sané sind Marken. Ganz besonders spürbar ist das verpasste Werben um Florian Wirtz – „ein Spieler, den viele wollten, auch wir“. Dieses Scheitern sei kein Beinbruch, aber es zeigt, dass Bayern nachlegen müsse, wenn der Anspruch Champions League und nationale Titel bestehen soll. „Ja, ich sehe Handlungsbedarf. Vor allem offensiv“, gibt Kimmich offen zu. Er spreche damit Max Eberl und der sportlichen Leitung nicht nach, „sondern als jemand, der mitten im Team steht“.
Dann wechselt er in den Spiegel: Bundesliga. „Die Liga ist hart, sie schläft nicht“, sagt Kimmich mit einem Hauch Besorgnis. Der Druck, deutsche Konkurrenz, das stetige Jonglieren mit Form und Verletzungen. Er erinnert an Spiele, in denen Bayern nicht auf dem Niveau waren – und was dann passierte. „Wenn wir auch nur 10 Prozent weniger investieren, mental oder physisch, merkt man das sofort. Ergebnisse leiden. Fans sehen das. Trainer sehen das.“ Er spricht über das alte Gefühl, als das „Mia san mia“‑Selbstverständnis schien verloren zu gehen. Nun, unter Vincent Kompany, sei es merklich zurück – aber es sei kein Zustand, der auf ewig garantierte Sicherheit bietet.
Über seine eigene Rolle: Kimmich klingt reflektiert und fokussiert. Bis vor einigen Wochen noch als Verkaufskandidat gehandelt, fühlt er sich nun wieder im Zentrum – nicht nur im Mittelfeld, sondern als geistiger Leiter des Spiels. „Ich merke, dass man mich dort sieht, wo ich hingehen will“, sagt er. Dennoch: Er schließt nicht aus, auf der Rechtsverteidigerposition eingesetzt zu werden, etwa in der Nationalmannschaft. Doch das Herz sei im defensiven Mittelfeld, dort, wo er bauen, organisieren, Grenzen ziehen kann.
Als es ans Geld geht, macht er klar: „Natürlich liefen Angebote. Konkurrenz war da. Aber Geld allein entscheidet nicht.“ Für ihn zählt das Gesamtpaket: Anspruch, Perspektive, Teamgeist, die Ambitionen des FC Bayern. Er wolle nicht einfach bleiben, weil es bequem sei – sondern bleiben, weil er glaubt, hier etwas bewegen zu können.
Zum Schluss wirkt er fast kämpferisch: „Wir haben schon genug Phasen erlebt, in denen es hieß: Bayern sei angeschlagen, das Ende nah. Wir sind aber hier, um zu zeigen, dass wir es besser machen. Nicht nur als Mannschaft, sondern als Institution.“ Die Worte hallen nach, während draußen die Fans ihre Gesänge anfangen – Chelsea wartend, Hoffnungen hoch.