„Ein Spiel auf Messers Schneide“ – Kovač zieht positive Lehren aus turbulentem Abend in Turin
Turin – Es war ein Spiel, das den Puls in ungeahnte Höhen trieb: Borussia Dortmund gastierte am Dienstagabend im prall gefüllten Allianz Stadium bei Juventus Turin – ein mit Spannung erwartetes Aufeinandertreffen zweier europäischer Traditionsvereine. Was folgte, war ein wahrer Nervenkitzel über 90 Minuten – geprägt von dramatischen Wendungen, individuellen Glanzmomenten und emotionalen Achterbahnfahrten.
Nach dem 2:2-Unentschieden sprach BVB-Cheftrainer Niko Kovač von einem „nervenaufreibenden, aber lehrreichen Abend“.
„Das war ein Spiel, wie es der Fußballfan liebt – für uns Trainer allerdings eine Tortur“, sagte Kovač mit einem müden Lächeln. „Wir haben in der ersten Halbzeit viel zu hektisch agiert, uns von Juves Pressing beeindrucken lassen. Aber was die Mannschaft nach der Pause gezeigt hat, war echte Mentalität.“
Dortmund geriet früh durch ein Eigentor von Niklas Süle in Rückstand. Juventus erhöhte kurz vor der Halbzeit auf 2:0 – scheinbar ein Schlag ins Kontor für den BVB. Doch die zweite Halbzeit gehörte Schwarz-Gelb. Durch einen sehenswerten Fernschuss von Julian Ryerson (54.) und einen verwandelten Elfmeter von Marco Reus (78.) kämpften sich die Gäste eindrucksvoll zurück.
Torwart Gregor Kobel, der mit mehreren Glanzparaden einen möglichen dritten Gegentreffer verhinderte, sprach im Anschluss von einem „emotionalen Kraftakt“.
„Manchmal fühlte es sich an, als stünden wir unter Dauerfeuer. Aber genau in solchen Momenten zeigt sich der Charakter eines Teams. Ich bin stolz auf unsere Reaktion in Halbzeit zwei.“
Auch Kovač fand lobende Worte für seine Nummer eins:
„Gregor war heute der Fels in der Brandung. Ohne ihn wären wir hier wahrscheinlich mit leeren Händen nach Hause gefahren.“
Besonders hob der Trainer aber die taktische Umstellung nach der Pause hervor. Durch die Hereinnahme von Salih Özcan wurde das Zentrum stabilisiert, Jude Bellingham rückte weiter nach vorn und konnte mehr Druck aufbauen. Die BVB-Offensive wirkte dadurch mutiger und druckvoller – ein Schlüssel zur Aufholjagd.
Trotz der Emotionen verlor Kovač nicht den Blick fürs Wesentliche:
„Natürlich wollten wir hier gewinnen. Aber wenn du nach 0:2 zurückkommst und am Ende fast den Siegtreffer machst, dann kannst du sehr viel Positives mitnehmen. Solche Spiele formen eine Mannschaft.“
In der Tabelle bedeutet das Remis einen kleinen Rückschlag im Kampf um Platz eins der Gruppe – doch mental war es ein großer Gewinn. Die mitgereisten Fans feierten das Team nach Abpfiff minutenlang und machten deutlich: Dieser Auftritt war mehr als nur ein Punktgewinn.
Dortmund hat in Turin Charakter gezeigt – und Kovač die Bestätigung erhalten, dass sein Team in der Lage ist, auch auf der ganz großen Bühne zu bestehen.