Verliebt in Jamal: Eine Geschichte zwischen Licht und Schatten
Es begann an einem verregneten Dienstagmorgen im Oktober. Die Straßen Berlins glänzten nass unter dem grauen Himmel, und der Wind wehte die letzten Herbstblätter durch die Gassen von Kreuzberg. Ich trat aus der U-Bahnstation Kottbusser Tor, wie jeden Morgen, leicht verspätet, den Kopf voller Gedanken. Und da stand er – Jamal.
Er lehnte an der Mauer neben dem Spätkauf, Kopfhörer um den Hals, eine alte Lederjacke über einem schwarzen Rollkragenpullover. Seine Augen – tiefbraun, fast golden im richtigen Licht – trafen meinen Blick, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Kein Lächeln, kein Wort. Nur ein Moment, der sich wie eine Ewigkeit anfühlte.
In den folgenden Tagen begegneten wir uns immer wieder – zufällig, und doch nicht zufällig genug, um es Schicksal zu nennen. Er arbeitete in einem kleinen Tonstudio drei Straßen weiter, war Musikproduzent mit Herz für Jazz und Neo-Soul, und hatte ein Lachen, das selbst graue Tage vergoldete. Seine Stimme klang wie eine Mischung aus warmer Melancholie und unbändiger Hoffnung.
Ich verliebte mich nicht in Jamal, weil er perfekt war. Ich verliebte mich, weil er echt war. Direkt, aber nie aufdringlich. Leidenschaftlich, aber nie besitzergreifend. Wenn er von seiner Mutter in Casablanca erzählte oder von Nächten, in denen er nicht schlafen konnte, weil sich Beats in seinem Kopf wie Wellen stapelten – dann wurde die Welt still um uns herum.
Doch Liebe mit Jamal war kein Märchen. Sie war eine Fahrt ohne Sicherheitsgurt. Er war zerrissen zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Kulturen, Erwartungen und Träumen, die größer waren als unsere kleine Welt zu zweit.
Einmal sagte er: „Ich habe Angst, dass ich dich mit in meine Stürme reiße.“
Ich antwortete: „Ich bin kein Blatt, das flieht. Ich bin der Baum, der bleibt.“
Es gab Tage, an denen wir uns anschwiegen, weil Worte nicht reichten. Nächte, in denen wir tanzten, als würde uns niemand sehen. Und es gab diesen einen Morgen, als er mich küsste, ohne vorher zu fragen, aber mit der ganzen Zärtlichkeit eines Mannes, der weiß, was es heißt, zu verlieren.
Ich bin verliebt in Jamal. Nicht in eine Idee von ihm, sondern in das Chaos und die Schönheit, die er in sich trägt. In seine Stärken, seine Zweifel, seine Kunst.
Und auch wenn die Welt uns vielleicht nicht versteht, auch wenn wir kein einfaches „Wir“ sind – es ist ein echtes. Und das zählt.