Torspektakel in Turin: Dortmund und Juventus trennen sich 4:4 nach irrem Schlagabtausch
Turin – In einem Spiel, das wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird, lieferten sich Borussia Dortmund und Juventus Turin am Mittwochabend ein furioses Duell in der Champions League – mit dem unglaublichen Endstand von 4:4. Alle acht Tore fielen in einer irren zweiten Halbzeit, in der keine Mannschaft auch nur ansatzweise ans Verteidigen dachte.
Vor 41.000 Zuschauern im ausverkauften Allianz Stadium entwickelte sich in den ersten 45 Minuten ein taktisch geprägtes, eher zurückhaltendes Spiel. Beide Teams neutralisierten sich weitgehend – kaum Strafraumszenen, keine Tore. Doch was dann folgte, war ein Fußballabend für die Geschichtsbücher.
Die zweite Halbzeit begann wie ein Paukenschlag. In der 48. Minute brachte Dušan Vlahović die Hausherren mit einem wuchtigen Kopfball in Führung, ehe Federico Chiesa nur fünf Minuten später auf 2:0 erhöhte. Die Dortmunder Defensive wirkte desorientiert, die Juve-Fans feierten bereits früh den sicheren Sieg.
Doch der BVB zeigte Moral – und wie. Innerhalb von zehn Minuten drehten sie das Spiel: Julian Brandt (58.), Niclas Füllkrug (62.) und Jude Bellingham (67.) trafen zur überraschenden 3:2-Führung. Dortmund war nun in einem Rausch, spielte wie entfesselt, Juventus wankte.
Als Marco Reus in der 75. Minute einen Freistoß zum 4:2 ins Netz schlenzte, schien das Spiel entschieden. Doch Juventus stemmte sich gegen die drohende Heimniederlage – mit Erfolg. In der 81. Minute verkürzte der eingewechselte Moise Kean auf 3:4, ehe in der dramatischen Nachspielzeit Weston McKennie per Distanzschuss den Ausgleich erzielte (90.+4).
„Das war Wahnsinn. Solche Spiele erlebt man vielleicht einmal im Leben“, sagte BVB-Trainer Niko Kovač nach Abpfiff. „Natürlich sind wir enttäuscht, dass wir am Ende den Sieg aus der Hand geben, aber ich habe eine Mannschaft gesehen, die niemals aufgibt, die Mentalität zeigt – und die offensiv unglaubliches Potenzial hat.“
Auch Torhüter Gregor Kobel, der trotz vier Gegentreffern mehrfach stark parierte, zeigte sich ambivalent:
„Du bekommst vier Tore und fühlst dich trotzdem nicht wie ein Verlierer – das sagt alles über dieses Spiel.“
Auf italienischer Seite war Trainer Massimiliano Allegri sichtlich erleichtert:
„Wir haben viel riskiert, aber der Wille war da. Gegen ein starkes Dortmund zurückzukommen, war keine Selbstverständlichkeit.“
In der Gruppe bleibt es damit eng. Beide Teams stehen bei vier Punkten – das Rückspiel in Dortmund verspricht ebenfalls Spektakel.
Die Fans, sowohl vor Ort als auch vor den Bildschirmen, erlebten einen unvergesslichen Abend, der erneut zeigt, warum die Champions League zu den größten Bühnen des Fußballs zählt. Acht Tore in 45 Minuten – pure Fußball-Ekstase in Turin.